In dem in US-amerikanischen Sportligen umgesetzten Franchise-System ohne Auf- und Abstieg gehen Teams regelmäßig entweder in den Win-Now- oder in den Rebuild-Modus. Die Entscheidung hängt davon ab, wie viel Titelchancen sich die jeweilige Mannschaft ausrechnet. Im Win-Now-Modus werden alle verfügbaren Ressourcen investiert, um schnellstmöglich den maximalen Erfolg herauszuholen. Geht ein Team jedoch stattdessen in den Rebuild, werden zunächst sportliche Durststrecken akzeptiert, um zu einem späteren Zeitpunkt wieder neu anzugreifen.
Ganz so einfach ist der gedankliche Transfer dieses Modells auf den europäischen Fußball doch nicht. Nichtsdestotrotz gibt es mit Manchester City in diesem Jahr ein Team, das sich nach einem größeren Umbruch erst einmal selbst neu definieren muss. Neben Erfolgscoach Pep Guardiola haben mehrere langjährige Leistungsträger das Team verlassen. Können die Cityzens auch 2026/27 um die Premier-League-Krone mitspielen? Oder bahnt sich eventuell ein Übergangsjahr im Etihad Stadium an?
Wer ersetzt bei City die Abgänge als Führungsfiguren?
Kein Pep, kein Rodri, kein John Stones, kein Bernardo Silva. Zu Beginn der neuen Saison muss man sich erst einmal daran gewöhnen, viele prägende Gesichter der letzten Jahre nicht mehr im himmelblauen Dress auflaufen zu sehen. Neben der verlorenen fußballerischen Qualität, geht es aber vor allem um den Verlust mehrerer Führungsfiguren. Spieler, die dem city’schen Fußball als Grundgerüst in fast allen Mannschaftsteilen dienten, von Pep an der Seitenlinie ganz zu schweigen.

Es braucht also eine neue Hackordnung. Diese wird aller Voraussicht nach Innenverteidiger Ruben Dias anführen. Der Portugiese trug bereits in der Vorbereitung die Kapitänsbinde. Dahinter sollen in der Mannschaftsführung Gianluigi Donnarumma, Erling Haaland und Phil Foden noch mehr Verantwortung übernehmen. Kurios: Haaland wäre wohl ein ernster Kandidat für das Spielführeramt gewesen, aufgrund seiner Position hat Maresca den Norweger jedoch davon disqualifiziert. Haaland wird sein Hang zum Tore schießen zum Verhängnis, ist er wohl unmittelbar nach einem Tor aufgrund des Jubels nicht in der Lage, sich direkt bei beim Trainer taktische Anweisungen abzuholen. So muss der Superstar auf die Binde verzichten, dennoch kommt ihm unter Maresca natürlich eine tragende Rolle zu.
Maresca: Nur Verwalter oder Innovator?
Überhaupt Maresca. Der ehemalige Assistent von Mastermind Guardiola steht vor einer enorm schweren Aufgabe – nämlich seinen früheren Meister zu ersetzen. Dabei sollte der Italiener zwar nicht versuchen, alles Dagewesene zu kopieren und damit ziemlich austauschbar zu sein, doch könnten zu viele Experimente ein hohes Risiko bergen. Citys Grundtugenden der letzten Jahre bestanden aus viel Ballbesitz und schnellem, aggressivem Gegenpressing. Diese Prinzipien brachten in der Pep-Ära (mit Ausnahme der letzten Spielzeit) jede Menge großer Erfolge ein und sollten wohl weiterhin in der DNA der Skyblues verankert sein.

Maresca selbst ist sich im Klaren darüber, dass er das alles auch ein Stück weit verwalten soll: ,,Wahrscheinlich ist der Grund, warum ich hier bin auch, dass die Idee des Vereins darin besteht, denselben Fußballstil, dieselbe Idee beizubehalten. Deshalb werden wir versuchen, das Wichtigste in diesem Sport zu tun, nämlich zu gewinnen. Das wird auch Tag für Tag bestimmen, wie ich arbeite.“
Dem Kader der Skyblues fehlt es an Breite
Ob die geforderte von Guardiola stark inspirierte, aber doch irgendwo eigene Handschrift des Italieners auf dem Platz zu sehen sein wird, werden die kommenden Wochen zeigen. Fakt ist aber zum aktuellen Zeitpunkt, dass der zur Verfügung stehende Kader zum Großteil weiterhin aus ,,Überbleibseln“ der Pep-Ära besteht. Bis auf Rekord-Einkauf Elliot Anderson, Ersatzkeeper Geronimo Rulli, Schnäppchen Jeremy Monga und einigen jungen Leih-Rückkehrern kann City momentan bezüglich des Themas Neuzugänge nur Gerüchte vorweisen.
Daher mangelt es an Breite im Kader, vor allem im zentralen Mittelfeld und der Offensivriege. Auf den Sechser- und Achterpositionen stehen Maresca momentan neben Anderson nur Nico Gonzalez und der alternde Mateo Kovacic zur Verfügung. Die Flügelpositionen weisen hinter Jeremy Doku und Antoine Semenyo keine zufriedenstellenden Alternativen auf. Sollte sich Haaland im Sturmzentrum verletzen, ist Maresca aufgeschmissen.
Eine gängige Strategie ist normalerweise die Verpflichtung ehemaliger Spieler des neuen Trainers. In Marescas Fall sind das Akteure des FC Chelsea. Dieses Vorhaben gestaltet sich allerdings schwierig, sowohl bei Rechtsverteidiger Malo Gusto und Regisseur Enzo Fernandez ist keine schnelle Einigung in Sicht. Das sind keine guten Nachrichten für City, da sich das Transferfenster am 01. September schließen wird. Auch die Verpflichtung von Lille-Supertalent Ayyoub Bouaddi ist noch nicht in trockenen Tüchern. Eile ist geboten, andernfalls muss man sich nach Alternativen umschauen. Das kann funktionieren, ist aber riskant. Am Ende mit vergleichsweise leeren Händen dazustehen, wäre ein Armutszeugnis für das finanziell (trotz Financial-Fair-Play-Streitigkeiten) mehr als liquide City.
Arsenal-Pleite: Ausrutscher oder dunkle Prophezeiung?
Dass man aktuell wahrscheinlich nicht der Titelfavorit Nummer Eins in der Premier League ist, zeigte die 0:3-Pleite im Community Shield gegen Meister Arsenal. Auch wenn in den kommenden Wochen noch Einiges passieren kann, und beispielsweise auf Seiten Citys Maresca einen Haaland bereits kurz nach der Halbzeit auswechselte, ist die empfindliche Niederlage gegen den großen Konkurrenten in jedem Fall ein Wachmacher für die Skyblues.

Eine der zentralen Erkenntnisse ist das schmerzhafte Fehlen Rodris, dessen Spielertyp momentan einfach nicht vorhanden ist und von der Qualität ohnehin aber wohl nicht ersetzt werden kann. Wie sich das gegen schwächere Gegner auswirkt, wird sich am heutigen Sonntag bei Citys Premier-League-Auftakt gegen Bournemouth zeigen. Da der Anspruch aber darin liegt, Teams wie Arsenal zu besiegen, ist das kein gutes Zeichen.
Das Beunruhigende aus Sicht von Maresca: Viel Zeit bekommt der Italiener nicht. Im Etihad Stadium werden schwache Phasen nur schwer verziehen. Das ist nämlich der springende Punkt. Umbruch hin oder her – Manchester City befindet sich immer im Win-Now-Modus, selbst in der Phase eines Rebuilds. Ein schwieriger Spagat für ein Team, dass sich erst neu definieren muss. Maresca hat sich eine spannende und hochanspruchsvolle Aufgabe aufgesucht, beneidet wird er dafür aber wohl nicht von Vielen.










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