Das sah man in den letzten Jahren nicht allzu oft: Am Sonntagmittag sprach ein nicht unwesentlicher Teil der deutschen Fußball-Öffentlichkeit auf einmal über den HSV.
Der Grund: Mit Fábio Vieira und Zakaria El Ouahdi stehen zwei absolute Top-Spieler unmittelbar vor dem Wechsel nach Hamburg. Zusammen kosten die beiden Neuzugänge knapp 19 Millionen Euro. Dass ihr Verein an nur einem Tag eine solche Summe in die Hand nimmt, hielten bis zuletzt wohl auch die kühnsten Optimisten unter den HSV-Fans nicht für möglich. Die berechtigte Frage vieler Anhänger lautet: Woher kommt plötzlich das Geld?
Das Hamburger Abendblatt hat in einem Artikel das Zustandekommen dieses immensen Budgets aufgedröselt. Ein Grund: Unter Finanzvorstand Eric Huwer haben die Rothosen ihre wirtschaftlichen Altlasten Schritt für Schritt beseitigt. Der Verein ist inzwischen schuldenfrei und hat in den vergangenen vier Geschäftsjahren jeweils Gewinne erwirtschaftet. Dadurch wurde ein finanzieller Spielraum geschaffen, den der Klub nun gezielt nutzt.
Hinzu kommt ein wichtiger Bilanz-Effekt: Ablösesummen werden nicht sofort komplett verbucht, sondern über die Vertragslaufzeit abgeschrieben. Die knapp zehn Millionen Euro teure Verpflichtung von Vieira belastet die aktuelle Bilanz deshalb nur anteilig. Über vier Jahre verteilt fällt pro Saison lediglich ein Teil der Ablöse ins Gewicht.

HSV kassierte mehr Geld durch Verkäufe als erwartet
Mindestens genauso wichtig waren die Transfererlöse dieses Sommers. Vor allem der Verkauf von Fabio Baldé nach Straßburg spülte mit rund sieben Millionen Euro deutlich mehr Geld in die Kasse als ursprünglich erwartet. Auch der Wechsel von Robert Glatzel zum VfL Wolfsburg brachte dem HSV zusätzliche Einnahmen. Insgesamt lagen die Transfererlöse vor den jüngsten Großdeals bereits bei mehr als zehn Millionen Euro.
Dazu kommen eingesparte Gehaltskosten. Mit Jean-Luc Dompé verlässt einer der Top-Verdiener den Verein Richtung Türkei. Sein Abgang schaffte zusätzlichen finanziellen Spielraum.
Aus den genannten Gründen war man beim HSV schon länger überzeugt, bei den richtigen Spielern auch größere Summen investieren zu können. Genau das ist nun passiert. Sowohl Vieira als auch El Ouahdi sind hochveranlagte Fußballer, die Sportdirektor Claus Costa deutlich unterhalb ihres Marktwerts verpflichtet. Das Risiko ist deshalb kalkulierbar – und die Hoffnung groß, dass sich die Millionen-Investitionen sportlich auszahlen werden.










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