Der HSV und das DFB-Team haben seit längerer Zeit nicht mehr allzu viel miteinander zu tun gehabt. Das könnte sich am Donnerstag ändern, wenn Jürgen Klopp seinen ersten Kader überhaupt nominiert. Kapitän Nicolai Remberg soll die Chance auf eine Berücksichtigung haben.
Schon vor der Weltmeisterschaft pfiffen ein paar Hamburger Vögel seinen Namen von den Dächern, wenn es um die Kadernominierung ging. Für die WM hat es bekanntlich nicht gereicht. Trotzdem hält sich das Gerücht, der 26-Jährige könnte ein Thema für Jürgen Klopp sein, hartnäckig.
Dafür spricht sicherlich, dass der Bundestrainer mit Blick auf die kommenden vier Spiele in der Nations League ein deutlich erweitertes Aufgebot in Erwägung zieht und zahlreiche Debütanten auf der Liste haben soll. Einer von ihnen ist laut Sky auch der Spielführer des Hamburger Sportvereins.
Qualitäten, die der DFB gebrauchen könnte
Nicolai Remberg sammelte vor allem in der vergangenen Saison mächtig Argumente in eigener Sache. Die Liebesgeschichte zwischen den HSV-Fans und dem heutigen Kapitän begann sehr früh nach dessen Vertragsunterschrift im Juni 2025. Er ist keiner der Aufstiegshelden, sondern eines der neuen Gesichter, die das Ziel Klassenerhalt realisieren sollten. Remberg wurde dem nicht nur gerecht, sondern übertraf die Erwartungen im Handumdrehen.
Der zentrale Mittelfeldspieler geht keinem Zweikampf aus dem Weg und ist zumeist für den Ballgewinn in der Defensive sowie die ersten Pässe auf die schnellen Offensivspieler zuständig. Besonderen Anklang findet bei Beobachtern sein sehr sicherer und übersichtlicher Spielstil. Er erkennt Räume, läuft sie rechtzeitig zu und lässt dem Gegner so keinen Platz zum Kombinieren. Kopfballduelle sind eine ganz besondere Spezialität von ihm, zudem ist er für ein gutes Timing bei Grätschen bekannt. Er beherrscht obendrein das von den Anhängern stets gefeierte „dreckige Spiel“.

Trotzdem ist Remberg – der sich den Spitznamen „Rambo“ erarbeitet hat – kein reiner Abräumer und kommt nicht nur über die Mentalität. Vielmehr agiert er gleichzeitig als Spielversteher, der seine Nebenleute auf der Sechserposition stets gut im Blick hat. Auch an der Kommunikation auf dem Platz, sowohl mit den Gegnern als auch mit den Mitspielern, hatte er in der Vorsaison einen Löwenanteil. Unter anderem ihm war es zu verdanken, dass die Hamburger oftmals mit einer stabilen Defensive überzeugten. Sein Anteil am Klassenerhalt ist also kaum zu unterschätzen.
HSV-Krise als Ausschlusskriterium?
Dass er es nicht in den WM-Kader geschafft hat, obwohl er laut Informationen der Sport Bild bei Julian Nagelsmann auf dem Zettel stand, war keine große Überraschung. Die angebliche XXL-Nominierung von Klopp wäre nun jedoch eine riesige Chance, und eine Berücksichtigung erscheint keinesfalls unrealistisch. Allerdings gibt es ein „Aber“: Diese Möglichkeit könnte zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt kommen.

Rembergs Formkurve ging in der vergangenen Saison stetig nach oben, für seine Leistungen wurde er in der diesjährigen Vorbereitung mit der Kapitänsbinde belohnt. Die Richtung stimmte – bis zum Saisonstart. Remberg betonte Anfang des Jahres im Aktuellen Sportstudio, dass es am wichtigsten sei, hinten erst einmal sicher zu stehen. Zudem dürfte die Mannschaft gerade in sieglosen Phasen keinesfalls auseinanderbrechen.
Da würde ihm wohl jeder recht geben. Doch genau diese Devise scheint sein Team zu Beginn dieser Saison vergessen zu haben. Der Horrorstart des HSV könnte ihm seine Nationalmannschaftschance also verhagelt haben. Das liegt auch daran, dass der neue Kapitän bislang kaum bis gar nicht an seine starke Performance aus dem Vorjahr anknüpfen konnte.
Er fiel nicht nur vor dem 0:1 gegen Mainz negativ auf, als er einen Fehlpass in eine Doppeldeckung spielte und damit den Weg für die Blamage ebnete. Ebenso strahlten Remberg und Lokonga als Doppelsechs gegen Leipzig in Summe zu wenig Ballsicherheit aus und öffneten jene Lücken, durch die RB mit einfachen, aber schnellen Kombinationen leichtes Spiel hatte und die Hinterleute wie unterklassige Verteidiger aussehen ließ.
Formstärkere Konkurrenz steht bereit
Klar ist aber auch: Es waren bislang erst drei Spiele, in denen unglücklicherweise vieles zusammenkam. Unter anderem schlug die fehlende Eingespieltheit negativ zu Buche. Remberg war beileibe nicht der Einzige mit individuellen Patzern. Wenn ein Team in eine solche Schieflage gerät, ist es für einen einzelnen Führungsspieler extrem schwer bis unmöglich, das allein wettzumachen.

Seine Mischung aus Abräumer-Fähigkeiten und Passsicherheit wäre sicherlich nicht uninteressant für die deutsche Nationalmannschaft. Auch die Verantwortung, die er abseits des Platzes trägt, sind nützliche Zusatzqualitäten, die dem DFB-Team in der jüngeren Vergangenheit nicht selten abgingen.
Ob das reicht, wenn auf der anderen Seite ein Albtraumsaisonstart, unzureichende Form und mindestens zwei weitere Überraschungskandidaten für das zentrale Mittelfeld stehen, bleibt abzuwarten. Laut Sky sind schließlich auch der offensivere Anton Kade und Merlin Röhl im erweiterten Fokus des neuen Bundestrainers – und beide sind mit ihren Klubs Augsburg respektive Everton wesentlich erfolgreicher in die neue Spielzeit gestartet.










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