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„Gar nichts verändert“: Kahn zweifelt am Klopp-Effekt beim DFB-Team
FCBinsideFCBinside·VonVjekoslav Keskic

„Gar nichts verändert“: Kahn zweifelt am Klopp-Effekt beim DFB-Team

Jürgen Klopp hat mit seinen ersten Auftritten als Bundestrainer für frischen Wind rund um die deutsche Nationalmannschaft gesorgt. Oliver Kahn warnt allerdings davor, den Trainerwechsel als Lösung für die grundsätzlichen Probleme des deutschen Fußballs zu betrachten.

Der frühere Bayern-Boss sieht vor allem strukturelle Defizite. Aus seiner Sicht fehlt in Deutschland ein langfristiges Konzept, das unabhängig vom jeweiligen Bundestrainer funktioniert.

„Ich glaube, wir haben es im deutschen Fußball nicht geschafft, ein System zu etablieren und aufzubauen, vergleichbar mit dem, das wir in Spanien sehen“, erklärte Kahn bei RTL. Dem DFB fehle „ein System, auf das man setzen kann und in dem sich immer wieder etwas entwickelt.“

Kahn: „Im Grunde haben wir gar nichts verändert“

Stattdessen konzentriere sich die Diskussion in Deutschland zu stark auf die Person des Bundestrainers. Genau darin sieht Kahn ein grundlegendes Problem.

Der Trainer sei letztlich das „schwächste Glied in der Kette“. Sobald die Ergebnisse ausbleiben, werde er ausgetauscht – verbunden mit der Hoffnung, damit automatisch einen grundlegenden Wandel einzuleiten.

„Wir tauschen ihn aus und glauben, damit etwas verändert zu haben“, kritisierte Kahn. Sein Fazit fällt deutlich aus: „Im Grunde haben wir gar nichts verändert.“

Auch der Wechsel von Julian Nagelsmann zu Klopp ändert daran aus Sicht des 57-Jährigen zunächst wenig. Natürlich bringe der neue Bundestrainer „völlig neue Ideen“ und einen anderen Spielstil mit. Die langfristigen Probleme des deutschen Fußballs ließen sich dadurch allein aber nicht lösen.

„Trainerwechsel bringen uns keine Erlösung. Wir kommen nur vorwärts, wenn wir ehrlich darauf schauen, was in diesen zehn Jahren im deutschen Fußball passiert ist, dass wir keine Rolle mehr spielen“, betonte Kahn.

„Wir haben die Spieler überoptimiert“

Oliver Kahn
Foto: IMAGO

Bemerkenswert ist auch Kahns Einschätzung zur deutschen Nachwuchsarbeit. Während immer wieder über einen Mangel an herausragenden Talenten diskutiert wird, sieht der frühere Nationaltorhüter das Problem an einer anderen Stelle.

„Aus meiner Sicht liegt das nicht daran, dass es keine Talente mehr gibt oder dass wir nicht richtig ausgebildet haben“, erklärte Kahn. Vielmehr sei in der Nachwuchsförderung teilweise zu viel gesteuert worden: „Wir haben überausgebildet. Wir haben die Spieler überoptimiert und dabei vollkommen vergessen, dass du jungen Menschen nicht alles abnehmen darfst.“

Dadurch werde es für junge Spieler schwieriger, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen. Genau diese Eigenschaften seien auf höchstem Niveau jedoch entscheidend.

Entsprechend skeptisch blickt Kahn auf die Vorstellung, Klopp könne allein durch seine Arbeit als Bundestrainer einen nachhaltigen Aufschwung auslösen.

„Wir glauben jetzt, mit einem neuen Trainer, der ein paar Dinge anders macht, seien wir wieder erfolgreich. Das ist aus meiner Sicht völlig abstrus. Wer kann so etwas glauben? Ich habe da große Zweifel.“

Klopp hat bei seinen ersten vier Spielen bereits zahlreiche Veränderungen vorgenommen und insgesamt 44 Spieler getestet. Für Kahn entscheidet sich die Zukunft des deutschen Fußballs jedoch nicht allein auf der Trainerbank. Aus seiner Sicht braucht es vielmehr grundlegende strukturelle Veränderungen, damit der DFB langfristig wieder erfolgreicher wird.

Quelle: FCBinsideZum Original

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