Deutschland verfügt über zahlreiche hochveranlagte Nachwuchsspieler. Doch längst nicht alle von ihnen laufen später auch für die deutsche Nationalmannschaft auf. Bayern-Nachwuchschef Jochen Sauer sieht darin eine Entwicklung, auf die der DFB dringend reagieren muss.
Gerade am Campus des FC Bayern erleben die Verantwortlichen regelmäßig, wie intensiv verschiedene Nationalverbände um junge Spieler mit mehreren Optionen werben. Einige prominente Beispiele haben sich in den vergangenen Jahren gegen Deutschland entschieden.
Im Interview mit SPOX macht Sauer deutlich, dass dadurch auch Bundestrainer Jürgen Klopp potenzielle Topspieler verloren gehen.
Sauer: „Es gibt inzwischen einen Wettbewerb“
„Es gibt viele in Deutschland geborene Spieler, die Jürgen Klopp nicht für die Nationalmannschaft nominieren kann“, erklärte der 54-Jährige.
Sauer verwies dabei auf gleich mehrere Spieler mit Bayern-Vergangenheit: „Nur aus Bayern: Kenan Yildiz, Can Uzun? Türkei. Josip Stanisic? Kroatien. Paul Wanner? Österreich. Malik Tillman? USA.“

Für den Bayern-Funktionär zeigen diese Beispiele, dass sich der internationale Wettbewerb längst nicht mehr nur auf Vereinsebene abspielt. Auch die Verbände kämpfen immer früher um die größten Talente.
„Auch hier gibt es inzwischen einen Wettbewerb der Nationalverbände, dem wir uns dringend stellen müssen“, warnte Sauer.
Am Bayern-Campus sei dieses Werben unmittelbar zu beobachten. Spieler, die aufgrund ihrer familiären Herkunft für mehrere Nationen spielberechtigt sind, erhalten teilweise Einladungen unterschiedlicher Verbände und müssen sich schon in jungen Jahren mit ihrer internationalen Zukunft beschäftigen.
Ein aktuelles Beispiel aus München ist Erblin Osmani. Der gebürtige Münchner hat sich mittlerweile der A-Nationalmannschaft des Kosovo angeschlossen.
Sauer fordert mehr Mut von deutschen Klubs
Für Sauer reicht es allerdings nicht aus, ausschließlich auf den DFB zu zeigen. Auch die deutschen Vereine müssten bessere Voraussetzungen schaffen, damit junge Spieler frühzeitig den nächsten Entwicklungsschritt machen können.
„Die Klubs von der Regionalliga bis zur Bundesliga müssen noch mutiger sein, junge Spieler einzusetzen“, forderte der Bayern-Nachwuchschef.
Regelmäßige Spielpraxis auf möglichst hohem Niveau ist aus seiner Sicht ein entscheidender Faktor. Nur wenn Talente frühzeitig gefördert werden und echte Perspektiven erhalten, können sie sich zu Kandidaten für die deutsche Nationalmannschaft entwickeln.
Handlungsbedarf sieht Sauer zudem bei der Struktur des deutschen Nachwuchsfußballs. „Eine optimale Wettbewerbspyramide haben wir in meinen Augen aktuell nicht“, stellte er klar.
Ein Ansatzpunkt soll die neue „Bundesliga Talent Series“ sein, an deren Entwicklung auch Klopp beteiligt war. Sie soll jungen Spielern zusätzliche Möglichkeiten bieten, sich auf einem höheren Niveau zu messen.
Für Sauer geht es damit um zwei miteinander verbundene Aufgaben: Deutschland muss seine größten Talente besser entwickeln – und gleichzeitig dafür sorgen, dass diese ihre Zukunft auch im DFB-Trikot sehen. Fälle wie Yildiz, Wanner, Stanisic oder Tillman zeigen, dass der internationale Kampf um Nachwuchsspieler längst begonnen hat.










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