Drei Spiele, drei Siege und zum Abschluss ein 3:2 gegen eine starke englische Auswahl: Die deutsche U17 hat beim Vier-Nationen-Turnier in Duisburg einen überzeugenden Eindruck hinterlassen. Die Mannschaft von Michael Prus zeigte, warum der Jahrgang 2010 als einer der spannendsten deutschen Nachwuchsjahrgänge der vergangenen Jahre gilt.
Viele Spieler dieser Mannschaft treten in ihren Vereinen bereits gegen deutlich ältere Gegner an oder wurden an die Profimannschaften herangeführt. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen vor allem Linus Güther vom 1. FC Union Berlin und Niko Ilicevic von Eintracht Frankfurt.
Während Ilicevic aufgrund seines Alters noch auf sein Pflichtspieldebüt bei den Hessen warten muss, ist Güther längst in die Profistrukturen der Eisernen integriert. Seit März diesen Jahres, bereits als 15-Jähriger, trainiert er dauerhaft mit der ersten Mannschaft. Weniger als drei Wochen nach seiner ersten Einheit bei den Profis feierte er im Alter von 16 Jahren und drei Tagen sein Bundesliga-Debüt. Damit wurde Güther zum jüngsten Spieler der Ligageschichte.

Deutschland dreht das Endspiel gegen England
Güther und Ilicevic drückten dem Vier-Nationen-Turnier mit England, Israel, Venezuela und eben Deutschland in den entscheidenden Momenten ihren Stempel auf. Beim 2:1 gegen Venezuela bereitete Güther zunächst per Ecke den Führungstreffer von Henry Schönhoff vor und erzielte nur zwei Minuten später selbst das 2:0. Gegen Israel übernahm Ilicevic in der Nachspielzeit Verantwortung: Der Frankfurter setzte sich auf der Grundlinie gegen mehrere Gegenspieler durch, holte den Elfmeter heraus und verwandelte ihn anschließend selbst zum 3:2.
Im entscheidenden Spiel gegen England trafen schließlich beide. Nach dem 1:2-Rückstand erzielte Güther aus spitzem Winkel den Ausgleich, ehe Ilicevic in der 83. Minute nach starker Vorarbeit von Shevin-Heinz Matondo den Turniersieg perfekt machte.
Die drei Siege waren nicht das Ergebnis dauerhafter Dominanz. Gerade gegen Israel und England geriet die deutsche Mannschaft zeitweise unter Druck. Sie ließ sich von schwierigen Phasen und Rückständen jedoch nicht aus dem Spiel bringen. Acht Tore, mehrere unterschiedliche Torschützen und wiederholte späte Entscheidungen zeigten, wie viel technische Qualität, Widerstandsfähigkeit und individuelle Klasse dieser Jahrgang besitzt.

Güther ist seinem Jahrgang bereits voraus
Linus Güther ist das bekannteste Gesicht dieser U17. Das Supertalent von Union Berlin kann auf mehreren offensiven Positionen eingesetzt werden. Seine optimale Rolle ist eigentlich die eines linken offensiven Mittelfeldspielers im linken Halbraum. In der DFB-Auswahl agierte er dagegen häufig als klassischer, breit positionierter Linksaußen. Das entspricht nicht vollständig seiner Optimalrolle, mindert seine Gefährlichkeit aber kaum.
Der 16-Jährige kann sich mit wenigen Kontakten, enger Ballführung und kurzen Körpertäuschungen enormen Raumgewinn verschaffen. Güther erfasst Situationen früh, dreht auch unter Druck auf oder setzt einen Mitspieler mit einem cleveren Direktpass ein. Sobald er Raum vor sich bekommt, nimmt er Tempo auf und sucht schnell den Abschluss oder den Pass in die Tiefe.

Bei Union ist er dem üblichen U17-Niveau längst entwachsen. In der laufenden U19-Saison erzielte Güther in seinen ersten vier Spielen fünf Tore und bereitete drei weitere Treffer vor. Beim 5:1 im Derby gegen Hertha BSC war er mit zwei Treffern und zwei Vorlagen an vier Toren beteiligt. Bereits im Frühjahr hatte er im Pokal-Halbfinale gegen den Stadtrivalen ein Tor erzielt und drei weitere vorbereitet.
Auch im DFB-Trikot liefert Güther konstant. In 13 Juniorenländerspielen (U15 – U17) erzielte er bereits zehn Tore und legte fünf weitere vor. Beim Turnier in Duisburg war er mit zwei Treffern und einer Vorlage der erfolgreichste Scorer.
Union besitzt damit nicht nur einen außergewöhnlich begabten Techniker, sondern auch einen echten Performer. Genau jenen Spielertyp, den Thomas Müller bereits von der nachrückenden deutschen Generation forderte. „Jetzt geht es auch darum, dass diese talentierten Spieler auch Performer sind“, sagte Müller. Genau diese Verbindung aus Begabung und konstantem Ertrag zeichnet Güther aus. Seine außergewöhnliche Statistik, sein Raumgefühl und sein direktes Spiel erinnert dabei sogar an Müller selbst.
Ilicevic ist Frankfurts kreativer Hoffnungsträger
Während Güther häufig mit wenigen Kontakten Tempo aufnimmt und den direkten Weg zum Tor sucht, ist Niko Ilicevic deutlich balldominanter. Der 15-Jährige braucht den Ball am Fuß, fordert ihn permanent und möchte möglichst viele Angriffe selbst mitgestalten. Er übernimmt längere Ballbesitzphasen, bestimmt das Tempo und sucht immer wieder nach Möglichkeiten, die gegnerische Ordnung durch einen Pass oder ein Dribbling aufzubrechen.

Dabei kommt Ilicevic entweder aus dem Zentrum oder startet auf der rechten Seite. Unabhängig von seiner Ausgangsposition zieht es ihn jedoch fast immer auf seinen starken linken Fuß. Von rechts rückt er in den Halbraum, dreht zum Spielfeld auf und sucht den Steckpass oder das Zusammenspiel mit seinen Mitspielern. Seine herausragende technische Qualität zeigt sich vor allem an seinem starken linken Fuß. Ilicevic verarbeitet Zuspiele sauber, erkennt freie Räume früh und besitzt ein sehr gutes Auge für die Bewegungen seiner Mitspieler. Mit klugen, präzise dosierten Pässen kann er gegnerische Linien überspielen und seine Mitspieler in gefährliche Positionen bringen.
Seine Entwicklung bei Eintracht Frankfurt verlief außergewöhnlich schnell. Ilicevic wechselte bereits im Alter von sieben Jahren an den Riederwald, debütierte mit 13 in der U17 und kam mit 14 erstmals für die U19 zum Einsatz. Bis zum vergangenen Sommer sammelte er in den beiden DFB-Nachwuchsligen 35 Einsätze, zehn Tore und sechs Vorlagen. Hinzu kamen sieben Partien in der UEFA Youth League. Im Sommer band die Eintracht ihr Top-Talent langfristig und integrierte es in die Vorbereitung der Profimannschaft.
Deutschlands U17: Der Jahrgang besitzt weitere spannende Talente
Güther und Ilicevic ragen heraus. Komplettiert wird die Mannschaft von weiteren spannenden Spielern. Roko Ciglar vom FC Bayern überzeugte als ballgewinnender Box-to-Box-Spieler. Marko Soldic vom 1. FC Nürnberg erzielte gegen England das 1:0 und wurde im Februar zum jüngsten Profi der Nürnberger Vereinsgeschichte. Kapitän Ben Nwachukwu vom 1. FC Köln und Bayern-U17-Kapitän Tim Schreyer geben der Mannschaft zudem zwei spielstarke Innenverteidiger.

Im November beginnt gegen Aserbaidschan, Litauen und Nordirland die EM-Qualifikation. Dort wird sich zeigen, ob aus der außergewöhnlichen individuellen Qualität eine konstant erfolgreiche Mannschaft entsteht. Die Voraussetzungen sind vielversprechend. Güther und Ilicevic sind die beiden prominentesten Spieler einer enorm vielversprechenden Mannschaft, die dem deutschen Fußball in den kommenden Jahren noch viel Freude bereiten könnte.









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