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Richtungsweisendes Rhein-Derby: Wagner kämpft um seinen Job, Blessin um die Wende
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Richtungsweisendes Rhein-Derby: Wagner kämpft um seinen Job, Blessin um die Wende

Wenn Alexander Blessin am Sonntag im RheinEnergieStadion Platz nimmt, sitzt er erstmals bei einem Pflichtspiel auf der Gladbacher Bank. Wenige Meter entfernt wird Rene Wagner nicht wissen, ob es vielleicht sein letzter Nachmittag als Kölner Cheftrainer ist. Treffender könnte die Ausgangslage vor dem 134. Rhein-Derby kaum sein: Der eine soll bei Borussia Mönchengladbach etwas Neues beginnen, der andere muss beweisen, dass sein Weg beim 1. FC Köln noch eine Zukunft besitzt.

Dabei trennen beide Mannschaften lediglich vier Punkte. Köln steht mit einer noch halbwegs erträglichen Bilanz von vier Zählern auf Rang 13. Gladbach reist nach vier Niederlagen und 6:16 Toren als Tabellenletzter an. Die Stimmungslage unterscheidet sich dennoch kaum. Beide Klubs haben das öffentliche Training gestrichen, in beiden Vereinen herrscht große Unruhe und beide wissen, wie schnell ein Derbysieg die bisherigen Probleme zumindest vorübergehend überdecken kann. Die 50.000 Plätze im RheinEnergieStadion sind natürlich restlos ausverkauft.

Alexander Blessin
Foto: Getty Images

Wagner muss seinem Fußball ein Gesicht geben

Doch gerade für Rene Wagner geht es längst nicht mehr nur um die Ergebnisse. Nach Informationen von Sky Sport ist eine kurzfristige Trennung inzwischen möglich. Vor allem die fehlende spielerische Entwicklung wird intern kritisch betrachtet. Wagner wurde im Frühjahr befördert, weil er den FC stabilisierte und mit seiner ruhigen, analytischen Art aus dem Tabellenkeller führte. Doch eine spielerische Entwicklung blieb aus. Nach dem fulminanten Auftaktsieg gegen die TSG Hoffenheim, gab es lediglich nur noch einen Punkt im Heimspiel gegen Bremen.

Der Trainer selbst hat die wachsende Skepsis längst registriert. „Ich spüre die Kritik in meinem näheren Umfeld“, sagte Wagner zuletzt. Zuletzt häuften sich individuelle Fehler, Probleme bei defensiven Standards und das Fehlen einer offensiven Identität. Wagner bemängelte fehlende Laufwege, Intensität und die mangelhafte Umsetzung seiner Vorgaben. Für das Derby kündigte er deshalb ein „Feuerwerk“ an.

1. FC Köln
Foto: Getty Images

Blessin besitzt dagegen den kleinen Vorteil, dass ihm persönlich noch niemand etwas vorwerfen kann. Er hat keinen Punkt verloren und kein Gegentor kassiert. Der neue Trainer, der in der vergangenen Bundesliga-Saison abgestiegen ist, übernimmt allerdings eine Mannschaft, die bereits nach vier Spieltagen ihren Kredit bei den Fans verspielt hat.

Blessin ließ zuletzt fast ausschließlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren und stellte in den Testspielen auf ein 3-4-3 um. Beim 1:1 Testspiel gegen Ex-Klub St. Pauli waren erste Fortschritte zu erkennen. Nach einer ordentlichen Anfangsphase fielen die Gladbacher jedoch wieder in alte Muster zurück. Blessin kritisierte, seine Mannschaft habe bei mehreren Situationen „geschlafen“ und sei in der Absicherung „zu behäbig“ gewesen.

Gladbach
Foto: Getty Images

Kölns Sturmnot verändert das Derby

Wagner muss seine wichtigste Partie ausgerechnet ohne einen einsatzfähigen Mittelstürmer bestreiten. Thijs Dallinga erlitt im Test gegen Viktoria Köln eine Kreuzbandverletzung, sein Ersatz Ragnar Ache zog sich wenig später eine Muskelverletzung zu. Der bedeutungslose Test, der mit einem enttäuschenden 2:2 endete, nahm dem FC innerhalb weniger Minuten beide etatmäßigen Neuner.

Marius Bülter dürfte deshalb ins Zentrum rücken. Auch eine Doppelspitze mit Said El Mala oder der Einsatz von Luca Waldschmidt ist denkbar. Die Notlösung könnte das Kölner Spiel sogar unberechenbarer machen. Ohne klassischen Zielspieler muss der FC kombinieren, häufiger die Positionen tauschen und stärker über das Tempo von El Mala und Mikey Moore kommen.

Gladbach
Foto: Getty Images

Moore kehrt mit zwei Toren und einer Vorlage für Englands U20 zurück und ist neben El Mala die Hoffnung für das Derby. Beide gelten als große Talente in ihren Jahrgängen und sind mit einer individuellen Qualität ausgestattet, auf die Gladbach nicht zurückgreifen kann.

Der offenbar offensive Ansatz der Kölner trifft aber dann auf das Gegenstück der Gladbacher-Spielweise. Blessin will den Tabellenletzten kompakter machen und die Räume zwischen Abwehr und Mittelfeld schließen. Köln wird dagegen versuchen, die neu formierte Dreierkette zu pressen, auf Fehler zu lauern und im Spiel mit Ball ihre talentierten Offensivspieler in Szene zu setzen.

Schon das letzte Derby kostete einen Trainer den Job

Wie gefährlich dieses Duell für einen Kölner Trainer werden kann, zeigte sich erst im März. Damals trennten sich beide Mannschaften nach einem wilden Spiel mit 3:3. Einen Tag später musste Lukas Kwasniok gehen, sein damaliger Assistent Wagner übernahm. Nun entscheidet ausgerechnet das nächste Heimspiel gegen Gladbach darüber, ob der Nachfolger mehr Zeit erhält.

Blessin bezeichnete das Derby als mögliche „Initialzündung“. Für Wagner wäre ein Sieg vor allem ein Beleg dafür, dass seine Mannschaft ihn noch erreicht. Das letzte Rhein-Derby beendete die Amtszeit eines FC-Trainers. Knapp sieben Monate später steht sein Nachfolger vor demselben Gegner und erneut vor einem Spiel, dessen Folgen weit über drei Punkte hinausreichen.

Quelle: fussball-news.deZum Original

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