Zweimal beendete Atletico Madrid in der letzten Saison die Titelträume des FC Barcelona. Jetzt könnte die Mannschaft von Diego Simeone den Katalanen sogar die Tabellenführung abnehmen. Für Hansi Flick wartet nach dem verlorenen Clasico die nächste große Bewährungsprobe und ein Gegner, der seine Mannschaft bestens kennt.
Am Sonntagabend (21 Uhr) empfängt Atletico Madrid den FC Barcelona im Metropolitano zum Spitzenspiel des zwölften Spieltags der spanischen Liga. Barcelona führt die Tabelle mit 30 Punkten an, Atletico folgt mit 28 Zählern dahinter. Mit einem Heimsieg würden die Madrilenen also am amtierenden Meister vorbeiziehen. Brisant ist das Duell aber auch wegen der Vergangenheit, denn Simeones Mannschaft bereitete Flick in der letzten Saison gleich zwei schmerzhafte Niederlagen in wichtigen Wettbewerben.
Atletico wurde für Flick zum Albtraum
In der letzten Saison war Atletico der wohl unangenehmste Gegner für Barcelona. Im Halbfinale der Copa del Rey setzten sich die Madrilenen nach einem 4:0-Heimsieg und einer 0:3-Niederlage im Rückspiel durch. Auch in der Champions League behielt Simeones Mannschaft die Oberhand. Nach einem 2:0-Auswärtserfolg in Barcelona reichte Atleti im Viertelfinal-Rückspiel eine 1:2-Niederlage, um die Katalanen aus dem Wettbewerb zu werfen.

Gerade das deutliche 4:0 im Metropolitano dürfte Flick noch in Erinnerung sein. Atletico zeigte damals, wie sich Barcelonas offensive Spielweise mit aggressivem Umschaltspiel und konsequenter Chancenverwertung bestrafen lässt. Eine Erkenntnis, die auch für das nächste Aufeinandertreffen relevant werden könnte.
Allerdings erzählt die Liga-Bilanz eine andere Geschichte. Barcelona gewann die letzten vier Auswärtsspiele in La Liga bei Atletico und war in der Meisterschaft zuletzt regelmäßig siegreich gegen Simeones Mannschaft. Die Katalanen wissen also durchaus, wie sie im Metropolitano bestehen können. Diesmal ist Atletico aber in einer deutlich besseren Ausgangslage. Sieben Liga-Siege hintereinander haben die Madrilenen bis auf zwei Punkte an Barcelona herangeführt. Nach elf Spieltagen stehen neun Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage zu Buche.
Simeone erkennt eine entscheidende Veränderung bei Barca
Trotz der Erfolge zuletzt zeigte sich Simeone vor dem Spitzenspiel respektvoll. Barcelona sei „möglicherweise die beste Mannschaft“, erklärte der Argentinier auf seiner Pressekonferenz. Vor allem die offensive Qualität der Katalanen bereitet ihm Sorgen. Tatsächlich ist Flicks Mannschaft mit 46 Treffern in elf Ligaspielen weiterhin die mit Abstand gefährlichste Offensive der spanischen Liga. Nach der 1:2-Niederlage im Clasico gegen Real Madrid meldete sich Barcelona mit einem 6:1 gegen Deportivo Alaves stark zurück. Auch in der Champions League folgte unter der Woche ein souveränes 3:0 gegen Aston Villa.
Besonders interessant ist aber, was Simeone über die veränderte Spielweise des Gegners sagte. Der Atletico-Trainer sieht in der neuen Rolle von Raphinha einen wesentlichen Unterschied zur vergangenen Saison. Der Brasilianer könne als offensiver Mittelfeldspieler auftauchen, Überzahlsituationen im Zentrum schaffen und mit seinen Läufen in die Tiefe gefährlich werden, erklärte Simeone. Für die gegnerische Defensive sei Barcelona dadurch schwieriger zu kontrollieren.
Darin könnte der Schlüssel zum Spiel liegen. Atletico verteidigt traditionell kompakt und versucht, die Räume zwischen den Mannschaftsteilen eng zu halten. Wenn Raphinha aber immer wieder ins Zentrum ausweicht, müssen Simeones Spieler entscheiden, ob sie ihm folgen oder ihre Positionen halten. Dadurch können wiederum Räume für Lamine Yamal und die übrigen Offensivspieler entstehen. Simeone weiß um diese Herausforderung. Seine Mannschaft werde über weite Strecken leiden müssen, räumte er ein. Doch der Argentinier machte deutlich, dass Atletico einen klaren Plan habe, um Barcelona Probleme zu bereiten.
Rodri-Ausfall zwingt Flick zum nächsten Umbau
Ein wichtiger Faktor könnte dabei Barcelonas personelle Situation werden. Besonders schwer wiegt der Ausfall von Rodri. Der spanische Nationalspieler verletzte sich beim Champions-League-Sieg gegen Aston Villa am Oberschenkel und steht gegen Atletico nicht zur Verfügung.
Damit verliert Flick einen wichtigen Baustein seines Mittelfelds. Rodri hatte sich seit seinem Wechsel zu Barcelona schnell etabliert und bildete regelmäßig mit Pedri die zentrale Achse. Seine Ruhe am Ball, seine Positionierung und seine Fähigkeit, gegnerische Angriffe frühzeitig zu unterbinden, dürften gerade gegen Atleticos Umschaltspiel fehlen. Als Ersatz kommen Frenkie de Jong und Marc Bernal infrage. Flick ließ auf der Pressekonferenz offen, wer beginnen wird. Beide Spieler hätten ähnliche Qualitäten am Ball, erklärte der Deutsche.
Auch in der Defensive muss Flick improvisieren. Jules Kounde fällt weiterhin aus, genauso der junge Xavi Espart. Immerhin kehren Eric Garcia und Andreas Christensen nach ihren Verletzungen in den Kader zurück. Garcia könnte sogar direkt wieder in der Startelf stehen. Eine weitere Option für die rechte Abwehrseite ist Brian Farinas. Der 20-Jährige überzeugte zuletzt gegen Alaves und Aston Villa auf einer für ihn ungewohnten Position. Flick lobte insbesondere seine technischen und körperlichen Voraussetzungen sowie das Zusammenspiel mit Lamine Yamal.

Für Atletico könnten diese personellen Probleme eine Einladung sein, Barcelonas hohe Abwehrlinie gezielt zu attackieren. Mit Julian Alvarez hat Simeone einen Angreifer, der Räume hinter der Defensive nutzen und auch aus schwierigen Situationen gefährliche Abschlüsse kreieren kann. Der Argentinier steht besonders im Mittelpunkt. Im Sommer hatte er öffentlich mit einem Wechsel nach Barcelona geliebäugelt, ein Transfer kam nicht zustande.
Ein Spitzenspiel mit Signalwirkung
Nach den Niederlagen gegen Paris Saint-Germain und Real Madrid musste sich Flicks Mannschaft zuletzt Fragen gefallen lassen, ob ihre offensive Spielweise gegen europäische Spitzengegner zu anfällig ist. Die überzeugenden Siege gegen Alaves und Aston Villa waren wichtige Antworten, doch Atletico dürfte die nächste deutlich größere Herausforderung darstellen.
Für Flick bietet das Duell vor allem die Gelegenheit, zu beweisen, dass seine Mannschaft aus den bitteren Niederlagen der vergangenen Saison gelernt hat. Simeone wiederum kann zeigen, dass Atletico diesmal nicht nur in den Pokalwettbewerben, sondern auch im Kampf um die Meisterschaft ein ernsthafter Konkurrent ist.











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