Ein 0:0 gegen Griechenland, nur fünf Punkte aus den ersten vier Nations-League-Spielen und weiterhin Platz drei in der Gruppe: Rein ergebnistechnisch bleibt der Start von Jürgen Klopp als Bundestrainer durchwachsen. Wer den Auftritt in Thessaloniki allerdings nur anhand des Resultats bewertet, wird der deutschen Leistung nicht gerecht. Die Mannschaft wusste über weite Teile sehr zu überzeugen.
Nach der frühen Großchance der Griechen übernahm Deutschland die Kontrolle und spielte insbesondere in der ersten Halbzeit sehr dominant. 13:1 Torschüsse zur Pause sprechen eine deutliche Sprache. Jonathan Burkardts Treffer wurde wegen eines vorherigen Handspiels von Tom Bischof aberkannt, Derry Scherhant und Florian Wirtz verpassten weitere Möglichkeiten. Nach der Pause verlor das deutsche Spiel allerdings etwas an Tempo. Das fehlende Tor bleibt deshalb ein berechtigter Kritikpunkt.
Pavlovic, Bischof und Wirtz bilden ein starkes Zentrum
Der wichtigste Grund für den überzeugenden Auftritt war erneut das Zentrum aus Aleksandar Pavlovic, Tom Bischof und Florian Wirtz. Pavlovic gab als alleiniger Sechser den Takt vor, löste Drucksituationen sauber und sicherte die offensiveren Bewegungen seiner Mitspieler ab. Der Bayern-Profi trat in dieser Rolle enorm selbstbewusst auf, war jederzeit anspielbar und ließ den Ball mit wenigen Kontakten schnell weiterlaufen.
Bischof bewegte sich intelligent zwischen den Linien, bot sich immer wieder in den Halbräumen an und beteiligte sich aktiv am Gegenpressing. Deutschland verpasste es jedoch, den ehemaligen Hoffenheimer häufiger in aussichtsreiche Abschlusspositionen zu bringen. Gerade gegen den tief stehenden griechischen Abwehrblock hätte Bischofs starker linker Fuß zu einer echten Waffe werden können.

Wirtz agierte davor als kreativer Fixpunkt und übernahm bei seinem ersten Start als Kapitän sichtbar Verantwortung. Nicht jede letzte Aktion gelang, doch fast alle gefährlichen deutschen Angriffe liefen über ihn.
Schon gegen Serbien hatte dieses Trio hervorragend funktioniert. Dass es nun erneut überzeugte, ist eine der wichtigsten Erkenntnisse dieser Länderspielphase. Deutschland fand gegen eine extrem tief verteidigende Mannschaft regelmäßig spielerische Lösungen und gelangte immer wieder in gefährliche Räume.
Scherhant entwickelt sich zum großen Gewinner
Zur größten Überraschung der vergangenen beiden Spiele entwickelte sich Derry Scherhant. Der Freiburger trat auf der linken Seite mit enormem Selbstvertrauen auf und suchte konsequent das direkte Duell. Bei hohem Tempo setzte er sich mit kurzen Finten mehrfach gegen die griechischen Außenverteidiger durch und suchte anschließend sofort die nächste Aktion.
Scherhant bereitete den aberkannten Treffer sehenswert vor und kam selbst mehrfach gefährlich zum Abschluss. Besonders auffällig war, mit welcher Selbstverständlichkeit er seine Aktionen durchzog. Keine Sicherheitsbälle, kein Verstecken, sondern Tempo, Mut und permanenter Zug zum Tor. Für seine Leistungen in beiden Partien hätte er einen Treffer verdient gehabt. Innerhalb kürzester Zeit hat sich Scherhant vom überraschenden Neuling zu einem der größten Gewinner unter Jürgen Klopp entwickelt.

Weniger überzeugen konnten dagegen Lennart Karl und Jonathan Burkardt. Karl blieb auf der rechten Seite weitgehend wirkungslos. Der 18-Jährige war bemüht, fand aber nur selten in seine Dribblings und verlieh dem deutschen Spiel nicht dieselbe Dynamik wie Scherhant auf der gegenüberliegenden Seite. Auch im Bayern-Trikot befindet sich der junge Flügelspieler derzeit in einer kleinen Formdelle. Nach seiner Verletzungspause ist das jedoch kein Grund zur Sorge, sondern eine normale Begleiterscheinung in der Entwicklung eines außergewöhnlichen Talents.
Burkardt erzielte zwar ein technisch sauberes, später aberkanntes Tor, war gegen den kompakten griechischen Block ansonsten jedoch kaum eingebunden. Er war im Strafraum zu selten anspielbar, konnte nur wenige Bälle festmachen und entwickelte kaum Präsenz zwischen den Innenverteidigern. Nick Woltemade löste diese Aufgabe gegen Serbien besser, blieb dabei allerdings ebenfalls ohne eigenen Treffer. Burkardt bringt dafür mehr Agilität und Intensität im Gegenpressing mit.
Die Frage nach der besten Besetzung im Sturmzentrum bleibt damit offen. Möglicherweise läuft die derzeit spannendste Alternative sogar noch für die deutsche U21 auf: Nicolo Tresoldi.
El Mala ist nicht für jeden Gegner die ideale Lösung
Rein von seinen Grundqualitäten müsste Said El Mala eigentlich spielen. Sein Tempo, seine Explosivität und seine Fähigkeit, mit dem Ball Raum zu überwinden, besitzt in dieser Form kaum ein anderer deutscher Offensivspieler. Gegen Griechenland und zuvor gegen Serbein wurden allerdings auch seine derzeitigen Defizite sichtbar.

Zunächst auf der ungewohnten rechten Seite und später links fand El Mala gegen die tief stehende Abwehr kaum Räume für seine Läufe. In engen Kombinationen, bei der Entscheidungsfindung und im Spiel ohne freie Tiefe muss er sich noch verbessern. Gegen Mannschaften, die selbst mitspielen und Räume hinter ihrer Abwehr anbieten, kann El Mala mit seinem Tempo dagegen zur absoluten Waffe werden. Klopp sollte ihn deshalb gezielt nach Gegner und Spielverlauf einsetzen.
So dürfte Scherhant zur Nummer eins Option auf der linken Außenbahn aufgestiegen sein, doch der Kölner wird unter Klopp – vor allem gegen die großen Gegner – wichtig werden.
Treu und die neue Defensive überzeugen
Zu den klaren Gewinnern dieser Länderspiele gehört auch Philipp Treu. Der Freiburger verteidigte erneut aufmerksam, spielte mutig nach vorne und tauchte mehrfach im gegnerischen Strafraum auf. Beim möglichen Siegtreffer fehlte ihm in der Schlussphase die Erfahrung, insgesamt hat er sich aber als ernsthafte Alternative auf der rechten Abwehrseite präsentiert.

Auch Malick Thiaw und Waldemar Anton bildeten ein souveränes Innenverteidiger-Duo. Beide verteidigten robust, blieben in den entscheidenden Situationen konzentriert und ließen sich auch von der zunehmenden griechischen Körperlichkeit nicht aus der Ruhe bringen. Als Griechenland in der zweiten Halbzeit mutiger wurde, hielt die deutsche Defensive stand.
Darin liegt das wichtigste Fazit dieser Länderspielphase: Die vielen frischen Gesichter haben der Nationalmannschaft gutgetan. Nicht jeder Neuling wird langfristig zur ersten Elf gehören. Spieler wie Scherhant, Treu, Bischof oder Thiaw haben den Konkurrenzkampf aber deutlich verschärft. Das 0:0 bleibt angesichts der Chancen enttäuschend. Der Auftritt selbst lieferte dennoch mehr Gründe für Hoffnung als für Frust.









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