Luka Modric hat auch mit 41 Jahren noch lange nicht genug vom Fußball. Bei der AC Mailand könnte sich für den kroatischen Superstar allerdings ein Problem entwickeln. Nach einem schwachen Auftritt beim 2:2 gegen Lazio Rom wird in Italien zunehmend darüber diskutiert, ob Modric überhaupt in das System von Trainer Ruben Amorim passt.
Der Routinier erwischte im Stadio Olimpico einen gebrauchten Abend. Milan lag zur Pause nach Treffern von Matteo Cancellieri und Tijjani Noslin mit 0:2 zurück. Modric leistete sich ungewöhnlich viele Fehlpässe und insgesamt 13 Ballverluste.
Amorim reagierte bereits zur Halbzeit und nahm den früheren Real-Madrid-Star vom Feld. Für ihn brachte der Portugiese den deutlich jüngeren und dynamischeren Yunus Musah. Später rettete der ebenfalls eingewechselte Diego Moreira den Rossoneri mit einem Doppelpack immerhin noch einen Punkt.
Nach der Partie sprach Amorim bemerkenswert offen über die Schwierigkeiten seines prominentesten Mittelfeldspielers.
Amorim: „Dann ist es unmöglich für ihn“
„Wir müssen wirklich gut mit dem Ball umgehen, damit Luka sich wohlfühlt. Wenn wir ständig Ballverluste produzieren und es zu einem wilden Laufspiel wird, dann ist es unmöglich für ihn“, erklärte der Milan-Coach.
Amorim störte zudem, dass sich Modric im Spielaufbau zu weit zurückfallen ließ. Den Wechsel zur Pause begründete er damit, „weil wir mehr Geschwindigkeit im Spiel brauchten“.
Damit Modric seine Stärken weiterhin ausspielen kann, braucht Milan nach Ansicht des Trainers ein ganz bestimmtes Spiel. „Wir müssen dominant beim Ballbesitz sein und Kontrolle haben“, stellte Amorim klar.
Die Aussagen zeigen das Dilemma, in dem sich Milan mit seinem 41 Jahre alten Spielmacher befindet. Unter Massimiliano Allegri war Modric in der vergangenen Saison noch unumstrittener Stammspieler und konnte das Tempo aus einer tieferen Rolle heraus bestimmen. Amorim verlangt in seinem 3-4-3-System allerdings deutlich mehr Dynamik von seinen beiden zentralen Mittelfeldspielern.
Gegen Lazio bildete Modric gemeinsam mit Adrien Rabiot die Doppel-Sechs. Gerade in Umschaltsituationen offenbarte diese Konstellation Probleme.
„Ich glaube, es wird für Luka in Amorims System schwierig“

Dass es unter Amorim für Modric schwierig werden könnte, hatte Milan-Legende Zvonimir Boban bereits vorhergesagt.
„Ich glaube, es wird für Luka in Amorims System schwierig. Unter Allegri spielte er tiefer und hatte zwei zentrale Mittelfeldspieler, die ihn beschützt haben. Jetzt muss er gemeinsam mit einem Nebenmann 60 Meter beackern. Das wird hart“, erklärte der ehemalige kroatische Nationalspieler.
Nach dem Lazio-Spiel erhalten Bobans Zweifel neue Nahrung. Von einem endgültigen Abgesang auf Modric kann dennoch keine Rede sein. Erst zuletzt überzeugte der Routinier gegen Juventus und zeigte, dass er auf höchstem Niveau weiterhin Spiele prägen kann.
Entscheidend dürfte vielmehr sein, ob Amorim bereit ist, sein System in bestimmten Situationen an Modric anzupassen – oder ob der 41-Jährige sich an die deutlich laufintensivere Spielweise seines neuen Trainers gewöhnen muss.
Eine wirkliche Verschnaufpause wartet auf Modric vorerst nicht. Nach den Partien gegen Benfica und Lecce steht die erste Länderspielpause an. Seine Karriere für Kroatien hat der inzwischen 202-fache Nationalspieler nach der Weltmeisterschaft fortgesetzt.
Der neue Nationaltrainer Slaven Bilic setzt weiterhin auf seinen Kapitän. „Er ist sowohl auf als auch neben dem Platz extrem wichtig“, betonte Bilic zuletzt und machte deutlich: „Die besten Spieler spielen für das Nationalteam.“
Bei Milan muss Modric diesen Status unter Amorim womöglich erst wieder festigen. Nach seiner Auswechslung gegen Lazio ist die Diskussion um seine Rolle jedenfalls endgültig eröffnet.










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