Der FC Bayern müht sich bei der SV Elversberg zu einem 2:1-Erfolg. Die Partie liefert drei Erkenntnisse zur Partie.
Es war deutlich mühsamer als noch wenige Tage zuvor in der Champions League: Der FC Bayern setzte sich beim mutigen Aufsteiger SV Elversberg knapp mit 2:1 durch. Lennart Karl brachte die Münchner in Führung, Ex-Bayer Maurice Krattenmacher glich sehenswert aus, ehe Harry Kane den Favoriten erlöste. Das Spiel lieferte folgende drei Erkenntnisse:
1. Kompany muss das richtige Maß finden
Sieben Veränderungen nahm Vincent Kompany gegenüber dem 5:0 gegen Bodo/Glimt vor. Angesichts des engen Spielplans ist Rotation alternativlos. Die vergangenen Wochen zeigen allerdings, dass die Bayern noch Probleme bekommen, wenn ihr Trainer zu viele Stellschrauben gleichzeitig dreht.
Schon beim 0:0 auf Schalke hatte eine stark veränderte Mannschaft nur selten ihren Rhythmus gefunden. In Elversberg zeigte sich ein ähnliches Bild. Die Bayern kontrollierten zwar lange Zeit den Ball, entwickelten aber zu wenig Dynamik und ließen sich vom mutigen Aufsteiger zunehmend aus dem Konzept bringen.
„Sie wirken ein bisschen behäbig, ein bisschen schlafmützig“, analysierte Michael Ballack bei DAZN: „Sie kontrollieren das Spiel, aber lassen sich ein bisschen einlullen. Daher bekommen sie die Quittung.“
Nach Krattenmachers Ausgleich reagierte Kompany und brachte mit Jamal Musiala, Joshua Kimmich, Alphonso Davies und Luis Diaz gleich vier prominente Kräfte. Die Bayern wurden anschließend wieder dominanter, erhöhten den Druck und entschieden die Partie durch Kane.
Natürlich kann Kompany angesichts der vielen Spiele nicht permanent seine vermeintlich beste Elf aufbieten. Doch die Auftritte auf Schalke und in Elversberg zeigen: Der Bayern-Coach muss bei seiner Rotation das richtige Maß finden. Zu viele Wechsel auf einmal können derzeit noch auf Kosten von Automatismen und Spielfluss gehen.
2. Diaz wird zum ersten Bayern-Sorgenkind
Bei Luis Diaz zeichnet sich inzwischen eine Entwicklung ab, die über einen einzelnen schwachen Auftritt hinausgeht. Schon auf Schalke ließ der Kolumbianer beste Möglichkeiten liegen, gegen Bodo/Glimt fehlte ihm erneut die letzte Konsequenz. In Elversberg folgte nun die bislang sinnbildlichste Szene seines Formtiefs.
Nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung tauchte Diaz nach einem Olise-Zuspiel frei vor Elversbergs Torwart Nicolas Kristof auf. Statt abzuschließen oder den ebenfalls freien Kane zu bedienen, versuchte der 29-Jährige, den Torhüter mit der Hacke zu überwinden – und scheiterte.
Die Reaktionen waren bemerkenswert. Kane machte seinem Mitspieler lautstark deutlich, dass er auf den Querpass gewartet hatte. Auch Josip Stanisic reagierte sichtbar verärgert.
Ballack bezeichnete den Abschluss als „zu verspielt“ und stellte klar: „Egal wie, du musst den Ball reinmachen. Wenn es gelingt, ist es traumhaft. Wenn nicht, ist es leichtfertig vergeben.“
Auch Max Eberl räumte anschließend ein, dass Diaz aktuell nicht in Bestform ist, stärkte ihm aber gleichzeitig den Rücken: „Lucho hat momentan nicht das Momentum. Er überlegt wahrscheinlich auch: Nehme ich ihn jetzt direkt oder nehme ich ihn noch einmal an? Dann ist der Ball schon da. Aber wie gesagt: Wir haben heute einige Chancen verpasst. Irgendwann wird auch sein Knoten wieder platzen.“
Von einer handfesten Krise zu sprechen, wäre immer noch verfrüht. Doch Diaz wird zum ersten Sorgenkind der Bayern-Offensive. Dass seine Mitspieler inzwischen sichtbar auf seine Entscheidungen reagieren, erhöht den Druck zusätzlich.
3. Bayern muss auch loslassen können
Ausgerechnet Maurice Krattenmacher sorgte für den zwischenzeitlichen Ausgleich. Der 21-Jährige, der im Sommer für rund zwei Millionen Euro von Bayern nach Elversberg wechselte, erzielte mit einem sehenswerten Distanzschuss bereits sein drittes Bundesliga-Tor der Saison.
„Das Tor macht er top, Kratti“, lobte Aleksandar Pavlovic seinen früheren Kollegen. Auch Eberl zeigte sich beeindruckt: „Der scheint momentan einen Lauf zu haben. Da schießt er einen Ball nach dem anderen schöner rein, wie es nur geht.“
Solche Momente führen zwangsläufig zur Frage, ob Krattenmacher vielleicht doch eine Perspektive beim FC Bayern gehabt hätte. Genau diese Gedanken müssen die Münchner bei ihrer Talentstrategie allerdings aushalten können.

Wer viele junge Spieler entwickelt und ihnen den Sprung in den Profifußball ermöglichen möchte, kann nicht jedem ausreichend Einsatzzeit beim FC Bayern bieten. Einige werden andernorts den nächsten Schritt machen – und manche davon werden irgendwann den Eindruck vermitteln, dass sie es vielleicht auch in München hätten schaffen können.
Krattenmacher selbst begründete seinen Wechsel zuletzt genau damit, dass es für ihn entscheidend sei, regelmäßig zu spielen und sich weiterzuentwickeln. Nach einer enttäuschenden Leihe bei Hertha BSC scheint Elversberg für ihn derzeit genau der richtige Ort zu sein.
Bayern muss deshalb nicht jedem abgegebenen Talent hinterhertrauern, das anderswo aufblüht. Im Gegenteil: Dass ehemalige Münchner Nachwuchsspieler ihren Weg in der Bundesliga machen, gehört zu einer funktionierenden Talentstrategie dazu. Manchmal bedeutet erfolgreiche Nachwuchsarbeit eben auch, loslassen zu können.










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