Lennart Karl steht beim FC Bayern öffentlich in der Kritik. Die Verletzungsmisere könnte ihm nun die Chance geben, wieder sportlich in den Mittelpunkt zu rücken.
Gegen Borussia Dortmund musste Lennart Karl lange warten. Obwohl Ismael Saibari und Serge Gnabry bereits vor der Pause verletzt ausgewechselt wurden, kam der 18-Jährige erst in der 85. Minute zum Einsatz. Wenig später fehlten nur Zentimeter zum Siegtreffer: Sein Schlenzer landete in der Nachspielzeit an der Latte. Nun könnte aus dem späten Joker eine deutlich wichtigere Option werden.
Denn die Personalsituation beim FC Bayern hat sich erheblich verschärft. Saibari wurde nach einem Syndesmosebandriss operiert, Gnabry fällt mit einer Muskelverletzung aus. Jamal Musiala und Luis Díaz fehlen ebenfalls. Sollte auch Michael Olise nicht rechtzeitig fit werden, wären für das Champions-League-Spiel bei Atlético Madrid mit Harry Kane und Karl nur zwei der sieben etablierten Offensivspieler verfügbar.
Für Karl eröffnet sich damit die Aussicht auf mehr Einsatzzeit – und auf unterschiedliche Aufgaben. Ohne Olise wäre er eine naheliegende Option für den rechten Flügel. Kann der Franzose spielen, könnte Karl im Zentrum hinter Kane gebraucht werden. Dort fehlt mit Saibari nun ein weiterer Konkurrent.
Karl kann sich mehr als einen Platz als Notlösung erarbeiten
Dass Karl gegen Dortmund zunächst auf der Bank blieb, begründete Aaron Danks mit taktischen Überlegungen. Nathaniel Brown sollte im offensiven Mittelfeld helfen, Alphonso Davies rückte auf den linken Flügel. Der Kompany-Vertreter wies ausdrücklich zurück, dass seine Wechselentscheidung gegen Karl gerichtet gewesen sei.
„Das ist kein Vorwurf an Lenny. Lenny ist ein Spitzenspieler; er kam aufs Spielfeld und hatte am Ende einen großartigen Moment, als er die Latte traf – das ist wirklich positiv für ihn“, erklärte Danks nach dem Klassiker.
Der kurze Auftritt zeigte, was Karl auch in einer schwierigeren Phase einbringen kann: eine überraschende Aktion und die Fähigkeit, selbst zum Abschluss zu kommen. Gerade wenn mehrere kreative und torgefährliche Spieler fehlen, gewinnen diese Qualitäten an Bedeutung.
Dabei muss der Youngster seinen Anspruch auf mehr Verantwortung nicht allein mit spektakulären Szenen begründen. Max Eberl hatte nach dem Sieg in Freiburg ausdrücklich Karls Arbeit für die Mannschaft gelobt. Ballgewinne, Einsatz gegen den Ball und konsequentes Pressing waren dem Sportvorstand positiv aufgefallen. Auch Danks hob zuletzt die Fortschritte in der Defensivarbeit hervor.
Genau darin liegt für Karl eine Chance, die über die aktuelle Verletzungsmisere hinausgeht. Verbindet er seine offensiven Fähigkeiten dauerhaft mit verlässlicher Arbeit gegen den Ball, liefert er Argumente für weitere Einsätze – auch dann, wenn die Konkurrenz zurückkehrt.
Die öffentliche Auseinandersetzung um ihn macht diese Aufgabe allerdings nicht leichter. Nach der Kritik von Uli Hoeneß und Eberl schaltete sich sein Berater Michael Ballack ein. Eberls anschließende Reaktion verlängerte die Debatte. Karls sportliche Entwicklung drohte dabei zwischen den Wortmeldungen in den Hintergrund zu geraten.
Nun könnte sich der Blick wieder stärker auf den Platz richten. Ein Startelfeinsatz in Madrid ist kein Selbstläufer und die Ausfälle garantieren Karl keinen Stammplatz. Sie eröffnen ihm aber die Möglichkeit, über längere Spielzeit Sicherheit zu gewinnen. Für Bayern wäre es eine wichtige Entlastung, wenn aus dem kritisierten Talent gerade jetzt wieder ein verlässlicher Offensivfaktor wird.











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