Schalke ist nach vier Spielen das einzige Team ohne Standardtor, verteidigt gegnerische Standards aber wie kein anderes Team der Liga.
Rund ein Drittel aller Bundesliga-Tore fällt laut Sportschau nach Standardsituationen. Der Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann brachte es vor der Weltmeisterschaft auf den Punkt: „Es gibt Teams, die schießen 50 Prozent der Tore aus Standards.“ Arsenal, der englische Meister der vergangenen Saison, ist das beste Beispiel. Die Gunners erzielten in ihrer Meistersaison 28 ihrer 68 Ligatore nach ruhenden Bällen, darunter 19 Tore allein aus Eckbällen.
Für Underdogs im Abstiegskampf sind Standards oft das entscheidende Mittel, um Punkte gegen stärkere Gegner zu holen. Schalke zeigt nach vier Spieltagen dabei ein faszinierendes Zweiseitenprofil: defensiv herausragend, offensiv vollkommen wirkungslos.
In 360 Bundesliga-Minuten hat kein Gegner einen Standard gegen Schalke verwandelt. Gegen Augsburg verteidigte S04 alle elf Ecken des Gegners souverän, obwohl man 0:3 verlor. Gegen Bayern gelangen dem Rekordmeister bei ebenfalls elf Ecken keine Standardtreffer. Bei Union Berlin und Elversberg dasselbe Bild. Dazu hat Schalke noch keinen einzigen Elfmeter verursacht und gilt laut Bundesliga.de mit nur 29 begangenen Fouls als fairstes Team der Liga. Zum Vergleich: Gladbach und der Hamburger SV kommen bereits auf 59 beziehungsweise 57 Fouls.
Die zwei Standard-Gesichter Schalkes
Die Kehrseite ist mindestens genauso auffällig. Schalke ist nach vier Spieltagen das einzige Bundesligateam ohne ein einziges Standardtor. Selbst die Schlusslichter Hamburg, Union Berlin und Gladbach haben bereits per Elfmeter, Ecke oder Freistoß getroffen. Sinnbildlich für Schalkes Schwäche war das 0:0 gegen Elversberg: Adil Aouchiche legte mehrere Ecken knapp am Tor vorbei oder schlug sie zu kurz und Nikola Katic schoss nach einer Freistoßflanke frei aus dem Fünfmeterraum übers Tor.

Dabei war Schalke in der Aufstiegssaison gemeinsam mit Paderborn das standardstärkste Team der zweiten Bundesliga. Beim letzten Heimspiel gegen Elversberg traf Hasan Kurucay nach einer Standardsituation zum 1:0-Sieg. Auch gegen Bayern reichte 2011 ein einziger Eckball-Kopfball von Raul im Pokalhalbfinale zum Weiterkommen. Hätte Schalke gegen Elversberg oder Bayern einen Standard genutzt, hätte man den guten Saisonstart vergoldet.
Für Trainer Miron Muslic ist das Thema Standards damit die vielleicht wichtigste Stellschraube der kommenden Wochen. Gegnerische Ecken und Freistöße zu überstehen ist in der Bundesliga keine Selbstverständlichkeit und verdient Anerkennung. Die eigene Gefährlichkeit aus ruhenden Bällen zu entwickeln könnte jedoch der Unterschied sein zwischen einem Punkt und drei Punkten, gerade in den engen Spielen, die im Abstiegskampf noch kommen werden.









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