Jürgen Klopp sucht mit 44 Spielern nach seinem neuen DFB-Team. Die ersten beiden Partien zeigen jedoch: Ein Bayern-Star besitzt eine Sonderstellung.
Jürgen Klopp hat den Konkurrenzkampf in der deutschen Nationalmannschaft komplett neu eröffnet. Insgesamt 44 Spieler nominierte der neue Bundestrainer für seine erste Länderspielphase, zahlreiche Profis sollen sich in den vier Nations-League-Partien zeigen.
Nach den ersten beiden Spielen zeichnet sich allerdings bereits eine klare Erkenntnis ab: Um Joshua Kimmich herum kann Klopp vieles ausprobieren – auf den Kapitän kann das DFB-Team derzeit kaum verzichten.
Schon beim 1:1 gegen die Niederlande gehörte Kimmich zu den stärksten deutschen Spielern. Der 31-Jährige gab dem Spiel im zentralen Mittelfeld Struktur und leitete den Führungstreffer mit einem starken Diagonalball ein.
Beim enttäuschenden 0:1 gegen Griechenland lief zwar auch beim Bayern-Profi längst nicht alles rund. Kimmich leistete sich unter anderem einen gefährlichen Ballverlust, zudem wurde der entscheidende Schuss von Dimitrios Kourbelis von ihm unglücklich abgefälscht.
Trotzdem war erneut zu erkennen, wie wichtig Kimmich für den deutschen Spielaufbau ist. Gerade gegen die tief stehenden Griechen fehlten dem DFB-Team über weite Strecken Tempo, Kreativität und überraschende Lösungen.
Schweinsteiger: „Der Einzige, der für mich gesetzt ist, ist Kimmich“
Bastian Schweinsteiger machte nach der historischen Niederlage deutlich, welchen Stellenwert Kimmich für ihn in Klopps neuem DFB-Team besitzt. „Der Einzige, der für mich gesetzt ist, ist Kimmich“, erklärte der Weltmeister von 2014.
Vor allem im Spielaufbau sieht der frühere Bayern-Profi eine große Abhängigkeit vom deutschen Kapitän. „Wenn wir von hinten herausspielen müssen, ist der Einzige, der kreative Pässe spielen kann, Kimmich. Das ist der Einzige“, sagte Schweinsteiger in der ARD. „Wenn der nicht da ist, dann wird es schwierig.“
Das passt zur bisherigen Rollenverteilung unter Klopp. Während zahlreiche Positionen neu vergeben werden, ist bei Kimmich nicht einmal seine Position ein Diskussionsthema. „Wir sehen ihn als Mittelfeldspieler“, hatte Klopp bereits vor seinem Debüt klargestellt. Über einen Einsatz als Rechtsverteidiger sei in den gemeinsamen Gesprächen überhaupt nicht gesprochen worden.
Damit verfolgen Klub und Nationalmannschaft erstmals seit längerer Zeit dieselbe Linie. Auch Vincent Kompany setzt Kimmich beim FC Bayern dauerhaft im Zentrum ein.
Umso interessanter wird nun die zweite Woche von Klopps XXL-Lehrgang. Denn ausgerechnet Kimmich wird bei den kommenden Partien gegen Serbien und erneut Griechenland nicht mehr dabei sein. Das ist allerdings keine Reaktion auf die Niederlage, sondern war aufgrund des geplanten Kaderwechsels von Beginn an vorgesehen.

Kimmich selbst hätte trotzdem gerne weitergemacht. „Ich wäre natürlich gerne geblieben, aber ich verstehe auch, dass der Trainer einfach auch andere Jungs kennenlernen möchte. Das war ja von vornherein so der Plan, dass wir einen großen Kader haben, dass wir einmal durchwechseln. Dementsprechend werde ich von zu Hause die Daumen drücken“, erklärte der Bayern-Star.
Bis zuletzt hoffte der 31-Jährige sogar noch auf eine Planänderung: „Ich habe bis zum Ende ja ein bisschen gehofft zu bleiben. Ich fahre jetzt erstmal nach Hause und dann mal schauen. Es wird jetzt nicht weit weg gehen, weil die Kinder in die Schule gehen. Dementsprechend werde ich wahrscheinlich zu Hause sein und am Donnerstag vielleicht zum Spiel kommen, je nachdem, ob ich da bin.“
Für Klopp dürfte die zweite Woche damit auch zu einem interessanten Test werden: Er muss sein neues DFB-Team erstmals ohne den Spieler aufbauen, der bislang sein Fixpunkt im Zentrum war. Gerade nach den Problemen gegen Griechenland könnte das Aufschluss darüber geben, welche Alternativen Deutschland im Mittelfeldzentrum neben Kimmich tatsächlich besitzt.










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