Jürgen Klopp hat seinen ersten DFB-Kader nominiert. Mit seinem XXL-Aufgebot macht der Bundestrainer alles richtig. Ein Kommentar.
Am 7. Oktober jährt sich ein Moment in der DFB-Geschichte zum 25. Mal, den die meisten Fans der deutschen Nationalmannschaft wohl längst wieder vergessen haben. Nachdem die FIFA die Weltmeisterschaft 2006 an Deutschland vergab, rief der Verband nach der vermasselten EM 2000 eine Perspektivmannschaft ins Leben, die vielversprechende Spieler auf die Heim-WM vorbereiten sollte. Auch wenn mit Tim Borowski, Arne Friedrich, Mike Hanke und Timo Hildebrand letztendlich nur vier Akteure an der Weltmeisterschaft teilnahmen, gaben sich in den vier Jahren des Team 2006 zahlreiche spätere Nationalspieler die Ehre.
25 Jahre später steckt der deutsche Fußball erneut in der Krise und setzt – zwei Jahre vor der EM in Großbritannien und Irland sowie vier Jahre vor der nächsten Weltmeisterschaft – wieder auf eine Perspektivelf. Zwar hat der Verband diesmal kein „Team 2030“ aus der Taufe gehoben, unter Bundestrainer und Hoffnungsträger Jürgen Klopp beginnt trotzdem das große Casting für die Zukunft des DFB.
Klopp und der DFB nutzen lange Länderspielphase optimal
44 Spieler nominierte der 59-Jährige am Donnerstagvormittag für seinen ersten Lehrgang mit der deutschen Nationalmannschaft. Die Spieler teilen sich auf zwei Kader auf. Der erste Block absolviert die Partien in Amsterdam gegen die Niederlande und gegen Griechenland in Augsburg. Im Anschluss reisen die meisten Nationalspieler wieder ab, während einige Verletzungsrückkehrer (Musiala, Gnabry, Schlotterbeck) und Torhüter Finn Dahmen auch Team zwei angehören, das in München gegen Serbien und in Thessaloniki gegen Griechenland antreten wird.

Mit seinem XXL-Kader macht Jürgen Klopp zu Beginn seiner Amtszeit alles richtig. Der Bundestrainer hatte schon bei seiner Vorstellungs-PK angekündigt, dass sich jeder Fußballprofi, der einen deutschen Pass besitzt, anstrengen solle. Mit der Nominierung beweist der frühere BVB- und Liverpool-Coach, dass er das damals nicht nur so daher gesagt hat, sondern wirklich jedem Spieler die Tür offenhält, solange die Leistungen stimmen. Das dürfte auch denjenigen als Ansporn dienen, die diesmal aussortiert wurden (Undav, Stiller, Sane) oder ihre erste Nominierung knapp verpassten (Pejcinovic, Tresoldi, Krattenmacher).
Klopp und sein Team aus Assistenten und Funktionären nutzt so die neue Struktur der Länderspielpause optimal. Die verlängerte Unterbrechung der Saison im Klubfußball gibt dem neuen Bundestrainer zwei Möglichkeiten. Entweder, er nutzt die Zeit, um seine Mannschaft länger beisammen zu halten und so taktisch gleich in die Tiefe gehen zu können oder er nimmt möglichst viele Akteure mal in der täglichen Arbeit unter die Lupe. Dass sich Klopp für die letztgenannte Variante entschieden hat, ist nur konsequent.
Der Nations League sei Dank: DFB-Team gleich in Pflichtspielen gefordert
Schon an den ersten Spieltagen der Bundesliga war der Trainer bemüht, möglichst viele Spiele live im Stadion zu verfolgen. Sein Assistent Pepijn Lijnders war währenddessen in der Premier League unterwegs, wo mit Kevin Schade, Neuling Vitaliy Janelt (beide Brentford), Malick Thiaw (Newcastle), Anton Stach (Leeds), Florian Wirtz (Liverpool) und Stürmer Kai Havertz (Arsenal) sechs Legionäre spielen. Auf der Insel läuft auch Mika Baur auf, der Mittelfeldspieler von Celtic ist die wohl größte Überraschung im ersten Klopp-Kader.
Darüber hinaus kommt dem Bundestrainer entgegen, dass mit der Gruppenphase der Nations League gleich eine Reihe an Pflichtspielen ansteht. So müssen sich die Nationalspieler direkt auf Wettbewerbsniveau beweisen. Nichtssagende Test-Länderspiele hätten Klopp in seinem Projekt Generationenwechsel bei der DFB-Elf nicht weitergebracht.

Gleich Elf Spieler aus dem XXL-Aufgebot standen noch nie zuvor für die A-Nationalmannschaft auf dem Rasen, zahlreiche Profis kehren nach der verpassten WM zurück. Nicht alle werden sich etablieren können, für manche wird die Erfahrung im kommenden Lehrgang ein einmaliges Erlebnis bleiben. Wenn sich in vier Jahren aber auch nur ein paar Klopp-Debütanten im WM-Kader wiederfinden, kann man guten Gewissens sagen: Mit seinem eigenen „Team 2006“ hat der Bundestrainer damals einen gelungenen Start hingelegt.









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