Die Aussagen von Jürgen Klopp über die taktische Ausrichtung des FC Bayern schlagen weiterhin hohe Wellen. Der Bundestrainer hatte beim Champions-League-Spiel gegen den FC Arsenal (2:2) öffentlich erklärt, dass er das Defensivkonzept von Vincent Kompany nicht vollständig nachvollziehen könne. Nun hat sich auch Oliver Kahn zu Wort gemeldet. Der ehemalige Bayern-Vorstandschef zeigt sich überrascht und kritisiert vor allem die Rolle, in der sich Klopp öffentlich geäußert hat.
Klopp hatte während der Halbzeitpause bei DAZN für Aufsehen gesorgt. „Ich habe bis heute nicht abschließend verstanden, was Bayern gegen den Ball macht. Aber ich will mich einfach weiterbilden“, erklärte der 59-Jährige.
Besonders die Rolle von Harry Kane im Defensivspiel sorgte beim Bundestrainer für Verwunderung. Der Engländer agierte gegen Arsenal phasenweise ungewöhnlich tief und übernahm im Pressing Aufgaben, die Klopp offenbar nicht vollständig nachvollziehen konnte.
Während Bayern-Trainer Vincent Kompany die Aussagen seines Kollegen nicht kommentieren wollte, sorgt dessen öffentliche Analyse inzwischen für eine kontroverse Diskussion.
Kahn wundert sich über Klopps Rolle
Oliver Kahn zeigte sich von den Aussagen des Bundestrainers irritiert. Der ehemalige Bayern-Boss stellte vor allem infrage, ob Klopp mit seinen Äußerungen seiner aktuellen Funktion gerecht werde.
„Ich habe erst nachdenken müssen, ob er Nationaltrainer ist oder immer noch Fußballexperte“, erklärte Kahn im Gespräch mit Sky.
Aus seiner Sicht klangen Klopps Aussagen eher nach einer klassischen TV-Analyse als nach den Worten eines amtierenden Bundestrainers.
Kahn verwies darauf, dass die Äußerungen durchaus als Kritik an Vincent Kompany verstanden werden könnten. Genau das müsse Klopp bei öffentlichen Auftritten berücksichtigen.
Dabei erinnerte der ehemalige Nationaltorhüter auch an frühere Aussagen des Bundestrainers über Julian Nagelsmann, die er ebenfalls kritisch bewertet hatte.
„Es geht hier auch ein bisschen um Kollegialität“

Für Kahn steht vor allem das Verhältnis zwischen den Trainern im Mittelpunkt. Ein Bundestrainer trage eine besondere Verantwortung, wenn er öffentlich über die Arbeit seiner Kollegen spreche. „Er ist noch Bundestrainer. Ich glaube, es geht hier auch ein bisschen um Kollegialität. Auch unter den Trainern“, betonte der 57-Jährige.
Klopp müsse sich deshalb bewusst sein, welche Wirkung seine Aussagen entfalten können. „Gerade ein Bundestrainer muss schon da genau wissen, was er da sagt“, betont Kahn.
Dass die Äußerungen anschließend intensiv diskutiert werden, sei schließlich absehbar gewesen. Auf die Frage, ob ihn Klopps Worte überrascht hätten, antwortete der frühere Bayern-Torhüter deutlich: „Ja, die haben mich überrascht, weil man das ja so von einem Bundestrainer normalerweise jetzt nicht kennt.“
Damit reiht sich Kahn in die Reihe der Kritiker ein. Zuvor hatte bereits TV-Legende Marcel Reif erklärt, dass er sich an Klopps Stelle öffentlich zurückhaltender geäußert hätte.
Die Diskussion dreht sich damit längst nicht mehr ausschließlich um die taktische Ausrichtung des FC Bayern. Vielmehr steht inzwischen die Frage im Raum, wie offen ein Bundestrainer die Arbeit eines Vereinstrainers öffentlich bewerten sollte.
Kahn hätte sich jedenfalls von Klopp offenbar mehr Zurückhaltung und Kollegialität gewünscht.










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