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Plötzlich DFB-Sündenbock? Warum der Abgesang auf Kimmich verfrüht ist
FCBinsideFCBinside·VonManuel Behlert

Plötzlich DFB-Sündenbock? Warum der Abgesang auf Kimmich verfrüht ist

Joshua Kimmich steht aktuell wieder einmal im Mittelpunkt. Die Debatte rund um seine Rolle in der Nationalmannschaft wurde neu entfacht.

Der Grund: Mit ihm gab es in zwei Spielen in der Nations League einen Punkt, ohne ihn den zwei darauffolgenden Spielen vier Punkte. Und das Spiel lief auch noch flüssiger.

Die Vorwürfe der Kritiker sind vielfältig. Kimmich mache das Spiel zu langsam, spiele zu oft quer, heißt es. Zudem sind sich Teile der Fans und der Experten einig, dass er eben nicht der geborene Leader und Anführer ist, in entscheidenden Momenten nicht an sein Limit kommt.

Kimmich: Auch er Opfer der Wahrnehmung?

Die Kimmich-Diskussion ist vor allem für Bundestrainer Jürgen Klopp ein Unding. Der Bayern-Star bleibt Führungsspieler, bleibt wichtig für den DFB und das auch völlig zurecht. Sein Qualitätsspektrum ist breit, er kann den entscheidenden Pass spielen, schießt zuweilen gute Standards.

Dass er das Spiel kontrollieren und das Tempo bestimmen will, liegt in der Natur der Sache. Das möchten Spielmacher eben. Kurioserweise wurde auch Spielern wie Toni Kroos, einem der besten Passgeber aller Zeiten, nachgesagt, sie würden zu oft quer spielen und das Spiel verlangsamen.

Joshua Kimmich
Foto: IMAGO

Das ist aber kein Fehler des Spielers, sondern ein Fehler in der Wahrnehmung. Unter diesem Fehler litt Kroos und das ist auch bei Kimmich der Fall. Die Fans denken, das Spiel wird langsam, nachdem ein Spielmacher wie Kroos oder Kimmich den Ball bekommt.

Dabei ist es umgekehrt: Wenn das Spiel langsam wird, weil der Gegner sich defensiv einigelt, bekommen die Spielmacher den Ball, um Kontrolle herzustellen.

Warum Spielmacher wie Kimmich so wichtig sind

Es gibt gute Gründe, über den Bayern-Star zu diskutieren, seine Streuung bei den Standards ist ein Thema, aber auch mitunter die etwas zu lässige Herangehensweise mit dem Ball und mit dem Rücken zum Spielfeld im eigenen Verteidigungsdrittel. Dass er das Spiel verschleppen würde, ist allerdings nicht richtig.

Steht der Gegner tief, dann eröffnet man aus der eigenen Defensive automatisch in eine numerische Unterzahl. Das ist ein Nachteil und auch riskant. Der Gegner sorgt dafür, dass kein Tempo entstehen kann und Geduld im Spiel mit dem Ball ist gefragt. Hier ist es natürlich, dass Querpässe das Mittel der Wahl sind, bis sich Räume ergeben, bis Tiefenläufe für eine Anspielstation sorgen.

Joshua Kimmich
Foto: IMAGO

Dass Spieler wie Kimmich in solchen Spielphasen häufig eingebunden sind, weil sie ballsicher sind, ist ebenso natürlich. In diesem Fall stellen die Fans dann einen Zusammenhang her, der falsch geschlussfolgert ist. Einem 1-gegen-1-Spieler auf der Außenbahn wirft man auch nicht vor, er habe sich im Vergleich mit einem Innenverteidiger zu häufig festgedribbelt.

Aus den genannten Gründen ist der Beginn des Abgesangs auf Kimmich deutlich verfrüht. Über seine Rolle kann sicher diskutiert werden, aber das muss auf einer anderen Ebene geschehen.

Quelle: FCBinsideZum Original

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