Manchester United ist mit großen Ambitionen in die neue Saison gestartet – doch nach vier Spieltagen ist von Aufbruchstimmung nur noch wenig zu spüren. Die Red Devils haben lediglich vier Punkte gesammelt und stehen damit auf dem 13. Tabellenplatz.
Einer 0:2-Niederlage bei Aufsteiger Hull City folgte zwar ein überzeugender 5:2-Erfolg gegen Ipswich Town, doch mit einem 2:2 gegen Everton und der 0:1-Derby-Niederlage gegen Manchester City blieb United anschließend erneut ohne Sieg.
Für einen Klub mit den Ambitionen von Manchester United ist das zu wenig. Auch Michael Carrick weiß, dass der bisherige Ertrag nicht den eigenen Ansprüchen entspricht. „Wir haben nicht so viele Punkte, wie wir zu diesem Zeitpunkt gerne hätten“, räumte der United-Coach nach dem Derby ein.
Die Niederlage im Manchester-Derby war ein besonders deutliches Beispiel für die aktuellen Schwierigkeiten. City musste bereits früh in Unterzahl weiterspielen, nachdem Phil Foden die Rote Karte gesehen hatte. United hatte damit über eine Stunde Zeit, die numerische Überlegenheit zu nutzen.
Doch genau das gelang nur bedingt. United hatte zwar Chancen und traf zweimal das Aluminium, entwickelte gegen den dezimierten Gegner aber zu wenig Druck. Statt City dauerhaft in der eigenen Hälfte einzuschnüren, fehlten im letzten Drittel Tempo und klare Lösungen.
Carrick sah diese Schwächen ebenfalls: „Wir haben nicht wirklich in den Griff bekommen, dass wir einen Mann mehr hatten“, erklärte der Trainer nach der Partie. Dass ausgerechnet Erling Haaland anschließend den entscheidenden Treffer erzielte, passte deshalb ins Bild: City nutzte eine seiner Möglichkeiten, während United aus der eigenen Überlegenheit zu wenig machte.
VAR-Fehler verschärft den Frust
Zusätzlichen Ärger verursachte die Entstehung des Gegentors. Haalands Treffer war zunächst wegen einer Abseitsposition aberkannt worden, ehe der VAR die Entscheidung korrigierte. Nachträglich wurde eingeräumt, dass die Korrektur falsch war. Enzo Fernández befand sich bei der Entstehung des Treffers in einer Abseitsposition und beeinflusste die Szene.

Carrick reagierte entsprechend deutlich: „Ich verstehe es einfach nicht, wirklich nicht.“ Der Frust ist nachvollziehbar, doch der VAR darf nicht zum Sündenbock für den gesamten Fehlstart werden. Selbst bei einer korrekten Entscheidung wären die grundsätzlichen Probleme sichtbar geblieben.
Der Saisonstart zeigt ein auffälliges Muster. Wenn United Räume bekommt und offensiv ins Rollen kommt, kann die Mannschaft enorm gefährlich werden. Das 5:2 gegen Ipswich war dafür der beste Beweis.
Sobald der Gegner allerdings kompakter steht oder United selbst das Spiel gestalten muss, werden die Schwächen offensichtlicher. Das Passspiel wird langsamer, die Angriffe verlieren an Klarheit und im letzten Drittel fehlen häufig die entscheidenden Ideen.
Genau darin liegt derzeit die größte Baustelle. United verfügt über individuelle Qualität, schafft es aber noch nicht, diese konstant als Mannschaft auf den Platz zu bringen. Die Niederlage gegen City war dafür symptomatisch.
Sommerinvestitionen lösen nicht alle Probleme
Dabei hat Manchester United im Sommer durchaus versucht, den Kader gezielt zu verstärken, und kräftig investiert: Rund 148 Millionen Pfund gaben die Red Devils für Youri Tielemans, Carlos Baleba und João Gomes Santos aus.
Der erhoffte Effekt im Mittelfeld ist bislang allerdings ausgeblieben. Tielemans konnte noch keine konstante Wirkung entfalten, während Baleba verletzungsbedingt noch keine Rolle spielt.
Gleichzeitig sind andere Baustellen weiterhin vorhanden. Auf der linken Abwehrseite wurde trotz bestehendem Bedarf keine zusätzliche Lösung verpflichtet. Verletzungen und Formschwankungen verschärfen die fehlende Balance des Kaders zusätzlich.
Damit steht Carrick vor der Aufgabe, aus einem auf einigen Positionen stark besetzten, gleichzeitig aber nicht optimal ausbalancierten Kader eine stabile Mannschaft zu formen. Gerade in einem Klub wie United ist dafür allerdings wenig Geduld vorhanden.
Carrick steht früh unter Beobachtung
Die Situation ist auch deshalb interessant, weil Carrick vor wenigen Monaten noch als Hoffnungsträger galt. Nach seiner erfolgreichen Arbeit als Interimstrainer führte er die Mannschaft in der vergangenen Saison bis auf Platz drei und erhielt anschließend das Vertrauen der Klubführung.

Der aktuelle Start stellt dieses Vertrauen zwar noch nicht infrage, erhöht aber den Druck. Vier Punkte aus vier Spielen sind für United schlicht zu wenig. Hinzu kommt, dass nicht nur die Ergebnisse, sondern auch die Leistungen teilweise Anlass zur Kritik geben.
Carrick selbst versucht, die Situation einzuordnen. „Wir müssen weitermachen und wieder anfangen zu gewinnen“, lautete seine Botschaft nach dem Derby. Genau das wird nun entscheidend sein.
Von einer ausgewachsenen Krise zu sprechen, wäre nach gerade einmal vier Spieltagen übertrieben. Die Saison ist noch jung, und United hat durchaus gezeigt, dass die Mannschaft über genügend Qualität verfügt. Der 5:2-Sieg gegen Ipswich und der 4:0-Erfolg in der Champions League gegen Sabah FK sprechen dafür.
Die aktuelle Situation ist vielmehr eine Mini-Krise – ein Warnsignal, das Carrick ernst nehmen muss. United hat sich mit vier Punkten selbst früh unter Druck gesetzt und darf sich in den kommenden Wochen keine weitere Serie unnötiger Punktverluste erlauben.
Gelingt es Carrick, mehr Stabilität, Tempo und Durchschlagskraft in die Mannschaft zu bekommen, kann der Fehlstart schnell in Vergessenheit geraten. Bleiben die Schwankungen jedoch bestehen, dürfte die Diskussion über den Trainer und die Qualität des Kaders deutlich intensiver werden.
Für Manchester United ist der verschlafene Saisonstart deshalb noch kein Drama – aber definitiv ein erstes Warnsignal.










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