Footy
Stiller Gewinner der Vorbereitung: Bayerns Anti-Star überzeugt Kompany
FCBinsideFCBinside·VonVjekoslav Keskic

Stiller Gewinner der Vorbereitung: Bayerns Anti-Star überzeugt Kompany

Beim FC Bayern haben in der Vorbereitung zahlreiche Nachwuchsspieler die Abwesenheit der WM-Fahrer genutzt. Während Bastian Assomo und Maycon Cardozo mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam machten, überzeugte ein anderer Youngster auf eine ganz andere Art: Tim Binder. Der 19-Jährige ist kein klassischer Unterschiedsspieler – und könnte gerade deshalb für Vincent Kompany interessant werden.

Die Vorbereitung auf die neue Saison bot den Talenten am Bayern-Campus eine seltene Gelegenheit. Zahlreiche Stars stiegen aufgrund der Weltmeisterschaft verspätet ins Training ein. Harry Kane, Michael Olise und Dayot Upamecano werden unter anderem erst Ende dieser Woche für ihre Leistungstests in München zurückerwartet.

Kompany musste deshalb in den bisherigen Testspielen verstärkt auf Nachwuchskräfte zurückgreifen. Binder gehörte dabei zu den Spielern, die ihre Chance besonders nachhaltig genutzt haben.

Der 19-Jährige wechselte bereits 2019 aus dem Nachwuchs des FC Augsburg an den Bayern-Campus und durchlief anschließend die verschiedenen Jugendmannschaften des Rekordmeisters. Für die zweite Mannschaft sammelte er mittlerweile ebenfalls Erfahrungen in der Regionalliga.

Während der Sommervorbereitung durfte Binder nun regelmäßig bei den Profis vorspielen.

Kompany zeigt sich von Binder beeindruckt

Schon beim Test gegen den SV Wehen Wiesbaden machte der Linksfuß nach seiner Einwechslung auf der rechten Offensivseite auf sich aufmerksam. Einen noch größeren Eindruck hinterließ er auf der Asienreise.

Beim 2:1-Erfolg gegen Europa-League-Sieger Aston Villa stand Binder über die komplette Spielzeit auf dem Platz und überzeugte gegen hochklassige Premier-League-Konkurrenz.

Kompany zeigte sich anschließend von den Auftritten seiner Nachwuchsspieler angetan und sprach von einer „beeindruckenden Leistung“.

„Es ist schwer, in diese Spiele zu gehen, wenn so viele Spieler noch zurückkommen müssen, und trotzdem so aufzutreten, dass man den FC Bayern München wiedererkennt, der wir sein können“, erklärte der Bayern-Coach.

Insbesondere Cardozo, Assomo und Binder hob der Belgier hervor: „Wenn ich darauf blicke, wie die Jungs das gemacht haben, freut mich das sehr. Es ist ein Weg, unsere Mannschaft zu stärken.“

Binder unterscheidet sich dabei deutlich von anderen hochgehandelten Talenten am Campus. Er besitzt weder die auffälligen Dribblingfähigkeiten eines Lennart Karl noch die Explosivität von Wisdom Mike. Auch körperlich ist er kein Spieler, der sofort heraussticht.

Seine Qualitäten liegen in anderen Bereichen.

Binder überzeugt mit Köpfchen statt Spektakel

Tim Binder
Foto: IMAGO

Binder zeichnet sich vor allem durch seine Spielintelligenz, sein taktisches Verständnis und seine Entscheidungsfindung aus. Der 19-Jährige erkennt frühzeitig, wann er das Tempo erhöhen kann und wann eine sichere Lösung gefragt ist.

Gerade in einem dominanten Bayern-Team kann diese Eigenschaft wertvoll sein. Binder sucht nicht zwanghaft die spektakuläre Aktion, sondern versucht, dem Spiel die richtige Fortsetzung zu geben. Dadurch produziert er vergleichsweise wenige unnötige Ballverluste.

Hinzu kommt seine Vielseitigkeit. Ausgebildet wurde Binder vor allem im Zentrum, wo er als offensiver Achter oder hinter den Spitzen eingesetzt wurde. Mittlerweile kann er alle drei offensiven Positionen hinter dem Mittelstürmer bekleiden. Selbst als Rechtsverteidiger kam der Linksfuß bereits zum Einsatz.

Für einen Trainer wie Kompany macht ihn das zu einer interessanten Kaderoption.

Noch fehlt Binder jene herausragende Einzelqualität, mit der sich ein Talent unmittelbar für einen Stammplatz beim FC Bayern empfehlen kann. Darum geht es für den 19-Jährigen zunächst aber auch nicht.

Vielmehr hat er sich in diesem Sommer als mögliche Ergänzung für den bewusst kompakt gehaltenen Profikader positioniert. Sollte Kompany während der langen Saison rotieren oder aufgrund von Verletzungen Alternativen benötigen, könnte Binder immer wieder seine Chance bekommen.

Andere Bayern-Talente haben in der Vergangenheit deutlich mehr Aufmerksamkeit erhalten. Binder scheint hingegen der klassische Anti-Star vom Campus zu sein. Keine großen Ansagen, kein spektakulärer Spielstil – dafür Zuverlässigkeit, Flexibilität und ein bemerkenswert gutes Verständnis für Spielsituationen.

Das sorgt vielleicht für weniger Schlagzeilen. Für den Sprung zu den Profis könnten genau diese Eigenschaften aber entscheidend sein.

Quelle: FCBinsideZum Original

Kommentare