Der FC Bayern gewinnt durch einen 2:1-Sieg bei Borussia Dortmund den Supercup. FCBinside liefert drei Erkenntnisse zur Partie.
Die Münchner gewinnen in Dortmund und sichern sich den ersten Titel der Saison. Das Spiel lieferte folgende Erkenntnisse:
1. Das macht Brown zur neuen Bayern-Waffe
Nathaniel Brown wurde vornehmlich als Linksverteidiger verpflichtet – doch schon nach wenigen Wochen beim FC Bayern zeichnet sich ab, dass der 23-Jährige weit mehr sein könnte. Beim 2:1 gegen Borussia Dortmund stellte Vincent Kompany den Neuzugang wie schon im Test gegen Heidenheim überraschend auf der Zehn auf. Und Brown lieferte: Mit seinem Treffer zum 1:0 erzielte er bereits im dritten Spiel in Folge ein Tor.
Dass Brown im offensiven Zentrum auftaucht, ist kein Zufall. Max Eberl hatte die Vielseitigkeit der Neuzugänge Ismael Saibari und Brown schon zuvor ausdrücklich hervorgehoben: „Sie geben dem Kader mehr Variabilität. Nathaniel Brown kann auf der linken Seite spielen, er kann aber auch rechts spielen. Sogar im Zentrum.“
Genau diese Variabilität macht Brown zu einer neuen Waffe für Kompany. Der Trainer erklärte nach dem Supercup: „Er hat es im Training gut gemacht, in den Freundschaftsspielen gut gemacht. Ein unfassbar schlauer Spieler. Manchmal ist bei uns der Unterschied zwischen Außenverteidigern und der Nummer 10 nicht immer so groß, wie man denkt. Deswegen bewegt er sich auch sehr gut in diesen Räumen und er hat ein Gefühl für Tore.“
Auch Joshua Kimmich hob Browns Spielintelligenz hervor. Der Nationalspieler bewege sich „immer wieder clever im Raum“ und sei „insgesamt ein sehr, sehr intelligenter Spieler, der uns sehr weiterhelfen kann“.
Damit eröffnet Brown seinem Trainer taktisch völlig neue Möglichkeiten. Er kann klassisch als Linksverteidiger beginnen, ins Zentrum einrücken oder sogar direkt als offensiver Mittelfeldspieler eingesetzt werden. Gerade in Kompanys flexiblem System verschwimmen die Positionsgrenzen ohnehin immer wieder.
Brown selbst räumte zwar ein, nicht optimal in die Partie gekommen zu sein. Spätestens sein Treffer änderte das jedoch. Aus dem vermeintlichen Davies-Konkurrenten auf der linken Abwehrseite wird damit schon jetzt deutlich mehr: ein Spieler, dessen Rolle für den Gegner nur schwer vorhersehbar ist – eine neue Waffe für die Bayern.
2. Kimmich ist kritischer als Kompany
Während Vincent Kompany nach dem ersten Titel der Saison vor allem die Mentalität und Fitness seiner Mannschaft lobte, schlug Joshua Kimmich überraschend kritische Töne an. Und das dürfte kein Zufall sein.
Denn der Supercup hat gleich wieder gezeigt, wie weit der FC Bayern der nationalen Konkurrenz inzwischen enteilt ist. Dortmund sollte als Vizemeister eigentlich der größte Herausforderer sein. Bis zum Anschlusstreffer in der 75. Minute wirkte der BVB jedoch über weite Strecken klar unterlegen. Bayern führte 2:0 und hätte die Partie schon früher entscheiden können.
Kimmich ließ sich vom Ergebnis trotzdem nicht blenden. „Um ehrlich zu sein, fand ich die erste Halbzeit nicht so gut“, erklärte er bei Sky. Besonders mit dem Ball habe es Probleme gegeben. Zudem bemängelte der 31-Jährige, dass Bayern zu viele Flanken zugelassen und es nach der Pause nicht geschafft habe, das Spiel zu kontrollieren.

Sein Fazit fiel für einen Sieg beim vermeintlich stärksten nationalen Konkurrenten bemerkenswert deutlich aus: „Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden, aber nicht unbedingt mit der Art und Weise, wie wir gespielt haben.“
Kimmich legt damit schon nach dem ersten Pflichtspiel den Finger in die Wunde. Denn der Anspruch dieser Mannschaft endet längst nicht mit der nationalen Dominanz. Am Donnerstag wird die Ligaphase der Champions League ausgelost – und gegen Europas Spitzenteams werden jene Schwächen, die Dortmund nur phasenweise bestrafen konnte, deutlich gefährlicher.
Kompany darf nach dem gelungenen Saisonstart loben. Kimmich übernimmt dagegen früh die Rolle des Mahners. Der ehrgeizige Führungsspieler weiß: Wer in dieser Saison wirklich nach Europas Krone greifen will, darf sich nicht daran messen, ob es für Dortmund reicht.
3. Olise bleibt weltklasse – und nonchalant
Während und nach der WM gab es immer wieder Gerüchte über ein mögliches Interesse von Real Madrid an Michael Olise. Wer deshalb gespannt darauf war, wie der Franzose nach seiner Rückkehr beim FC Bayern auftreten würde, bekam in Dortmund eine ziemlich eindeutige Antwort: genauso wie vorher.
Erst vor gut einer Woche war Olise aus seinem verlängerten WM-Urlaub zurückgekehrt. Gerade einmal drei oder vier Trainingseinheiten hatte er mit der Mannschaft absolviert – und trotzdem spielte er beim 2:1 gegen den BVB direkt 90 Minuten durch. Mehr noch: Olise war sofort wieder der beste Bayern-Spieler auf dem Platz. Das 1:0 durch Nathaniel Brown bereitete er vor, das 2:0 erzielte er selbst. Dafür gab es die FCBinside-Note 1.
Selbst Vincent Kompany staunte über den Fitnesszustand seines Stars: „Das ist Wahnsinn. Harry und Michael haben drei- oder viermal trainiert und spielen 90 Minuten in Dortmund.“
Und nach dem Abpfiff? Da war Olise ebenfalls ganz der Alte. Der 24-Jährige wurde als Man of the Match ausgezeichnet und verzog beim obligatorischen Siegerfoto keine Miene. Auch bei der anschließenden Pokalfeier hielt sich seine Euphorie zumindest äußerlich in Grenzen. Während seine Mitspieler jubelten, hob Olise lediglich kurz eine Hand in die Höhe.
Wer den Franzosen kennt, kennt auch diese Bilder. Schon bei früheren Titelfeiern wirkte Olise bisweilen so, als könne ihn das ganze Spektakel kaum aus der Ruhe bringen. Warum sollte sich daran plötzlich etwas ändern?
Entscheidender ist ohnehin, dass sich auch sportlich nichts verändert hat. Urlaub, kurze Vorbereitung, Real-Gerüchte – alles egal. Olise macht einfach dort weiter, wo er aufgehört hat: mit Weltklasse-Leistungen und einer Nonchalance, die sein Markenzeichen ist.











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