Die Tottenham Hotspur stecken nach wenigen Wochen der neuen Saison bereits tief in der Krise. Nach vier Premier-League-Spielen warten die Spurs noch immer auf den ersten Sieg.
Schlimmer noch: Die Mannschaft hat bislang kein einziges Ligator erzielt. Auch im League Cup folgte nun der nächste Rückschlag. Gegen den FC Liverpool unterlag Tottenham am Dienstagabend mit 1:3.
Damit ist der Fehlstart unter Roberto De Zerbi nicht mehr auf einzelne unglückliche Ergebnisse zu reduzieren. Zwei Punkte aus vier Ligaspielen und eine Torbilanz von 0:4 sprechen eine deutliche Sprache. Gegen Everton reichte es am vergangenen Wochenende trotz viel Ballbesitz nur zu einem 0:0. Tottenham blieb damit erstmals in seiner Premier-League-Geschichte in den ersten vier Saisonspielen ohne eigenen Treffer.
Tottenham: Es fehlt an Durchschlagskraft
Im Pokal gegen Liverpool konnten die Spurs zwar immerhin ein Tor erzielen, für ein Weiterkommen und damit auch für das erste Erfolgserlebnis der Saison reichte es trotzdem nicht.
Auffällig ist, dass De Zerbi die Schwierigkeiten durchaus erkennt. Nach dem Remis gegen Everton sprach der Italiener von einer „mentalen Blockade“ und erklärte: „Vier Spiele, kein Sieg, kein Tor erzielt – das ist hart für die Spieler.“ Die Lösung sieht der Trainer vor allem darin, dass sich die Mannschaft aus dieser Blockade befreien müsse.
Tatsächlich fehlt Tottenham momentan vor allem die Durchschlagskraft im letzten Drittel. Gegen Everton gab es zwar Phasen mit Kontrolle und Ballbesitz, doch aus der Überlegenheit entstanden zu wenige klare Chancen. Auch beim 1:3 gegen Liverpool zeigte sich ein ähnliches Muster: Tottenham kam zu Möglichkeiten, konnte diese aber nicht konsequent nutzen.
Das erkannte de Zerbi bereits nach dem Unentschieden gegen Nottingham in der Liga und forderte „bessere Entscheidungen“ seiner Spieler. Weitere Gründe für den schwachen Saisonstart sieht der Trainer in der Vorbereitung.
„Viele Spieler waren bei der Weltmeisterschaft, viele Verletzungen, viele Probleme in Australien. Micky van de Ven hat sich in Australien verletzt. Dasselbe gilt für Domi Solanke und James Maddison. Auch Mateus Fernandes hat sich in Australien verletzt. Er fiel 15 Tage aus, und das geht nicht so schnell. Sávio und Marmoush sind erst vor zehn Tagen dazugekommen. Ich habe erst vor zwei Donnerstagen angefangen, mit der ganzen Mannschaft zu arbeiten. Deshalb denke ich, dass wir körperlich noch nicht in Bestform sind“, erklärte de Zerbi nach dem 0:0 gegen Everton.
Öffentliche Kritik sorgt für zusätzlichen Druck
Mit seinen Aussagen trägt der Coach allerdings selbst dazu bei, dass die Diskussionen um seine Arbeit intensiver werden. Nach dem torlosen Remis gegen Nottingham Forest kritisierte der Trainer neben seiner Mannschaft auch die medizinische Abteilung.
Die Ärzte hatten ihm vor dem Spiel mitgeteilt, dass Savio und Udogie jeweils nur 60 Minuten spielen könnten. Nach der Partie erklärte De Zerbi, „nicht glücklich“ darüber gewesen zu sein.
Sky-Sports-Experte Paul Merson bezeichnete diese Aussagen anschließend als „besorgniserregend“. Gerade in einer sportlich schwierigen Phase können öffentliche Kritik und interne Probleme die Unruhe rund um einen Trainer zusätzlich verstärken.
„So etwas bespricht man in der Kabine, nicht draußen. “, erklärte Merson.
Hohe Investitionen im Sommer
Die sportlichen Probleme wiegen auch deshalb schwer, weil Tottenham im Sommer massiv investiert hat. Mehr als 300 Millionen Pfund flossen in neue Spieler, darunter Sandro Tonali, Mateus Fernandes, Savinho, Omar Marmoush und Mykhaylo Mudryk.
In der abgelaufenen Saison wurde Tottenham 17. in der Premier League und entging damit nur knapp dem Abstieg. Mit den Neuzugängen und de Zerbi als Trainer sollte ein Neuanfang eingeleitet werden. Bislang konnten allerdings weder die teuer verpflichteten Spieler noch der Coach überzeugen.

Nach der Niederlage gegen Liverpool entschuldigte sich de Zerbi sogar bei den Fans: „Wir leiden, weil die Ergebnisse unser Leben sind. Wenn wir verlieren, tut es uns leid, wir sind traurig, wir sind enttäuscht, wir sind frustriert“, erklärte der Italiener.
Gleichzeitig versucht er weiterhin, Ruhe auszustrahlen: „Es ist hart. Aber es ist der erste Moment, der erste Teil dieses neuen Projekts.“
Rauswurf schon ein Thema?
Trotz der alarmierenden Zahlen spricht derzeit einiges gegen eine sofortige Trennung. Tottenham hat de Zerbi nicht als kurzfristige Übergangslösung verpflichtet, sondern als zentralen Bestandteil eines langfristigen Neuaufbaus. Der Italiener erhielt einen Fünfjahresvertrag und soll den Klub sportlich neu ausrichten.
Ein Trainerwechsel nach wenigen Monaten würde deshalb nicht nur auf einen schlechten Saisonstart reagieren, sondern die grundsätzliche Planung des Vereins infrage stellen. Gleichzeitig kann auch ein langfristiger Vertrag keine Garantie sein, wenn die sportliche Entwicklung ausbleibt.
Von einem unmittelbar bevorstehenden Aus zu sprechen, wäre deshalb zum jetzigen Zeitpunkt zu weit gegriffen. Klar ist aber auch: Der Spielraum für weitere Rückschläge wird kleiner. Nach vier sieglosen Ligaspielen und dem Ausscheiden aus dem League Cup braucht Tottenham dringend eine Reaktion.
Als Nächstes wartet Aston Villa in der Premier League. Für De Zerbi bietet sich damit die nächste Gelegenheit, seine Mannschaft aus der Krise zu führen. Sollte Tottenham allerdings auch dann offensiv harmlos bleiben und weiter auf den ersten Ligasieg warten, dürfte die Diskussion über die Zukunft des Trainers deutlich intensiver werden.










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