Der HSV streckt seine Fühler in Richtung Kolumbien aus. Bereits vor einigen Monaten kam es zu einer Scouting-Reise mit Hintergedanken.
Jeder Profiklub ist stets und immer auf der Suche nach neuen Toptalenten. Beim Hamburger SV rückt dabei zunehmend der südamerikanische Markt in den Fokus, und es gibt bereits erste Mini-Erfolge zu verzeichnen.
Wie aus einem Bericht des Hamburger Abendblatts hervorgeht, ist unter anderem U19-Trainer Oliver Krause vor fünf Monaten nach Kolumbien gereist. Im Gespräch mit der Zeitung schwärmte er über die Offenheit der Menschen, das Straßenleben in Medellín und natürlich über die Talente, die er dort trainieren durfte.
Der Besuch in Kolumbien war zwar im Auftrag des HSV erfolgt, öffentlich kommuniziert wurde er allerdings zunächst nicht. Jetzt verriet Krause Details über die Arbeit mit den jungen Fußballern: „Es waren extrem talentierte Jungs dabei. Viele kommen aus schwierigen Verhältnissen. Für sie war das die Chance ihres Lebens.“

HSV blickt über den Talent-Tellerrand
Hintergrund der Tour war eine Idee der deutsch-kolumbianischen Recruiting-Agentur One Life. Der HSV hatte das Finale eines Scouting-Wettbewerbs begleitet. Am Ende lud der Bundesliga-Verein zwei Spieler zum Probetraining nach Hamburg ein.
Einer konnte die Reise nicht antreten, weil er sich den Fuß gebrochen hatte. Der andere, Miguel Hurtado, hingegen präsentierte sich im August im HSV-Nachwuchs und unterschrieb jetzt sogar seinen ersten Profivertrag. Natürlich nicht beim HSV, das hätten wir alle mitbekommen, sondern beim SV Kapfenberg in Österreich.
Einerseits war der Innenverteidiger mit 21 Jahren zu alt, um im Nachwuchs weiter gefördert zu werden. Außerdem hätte er direkt einen Lizenzspielervertrag bekommen müssen, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Das waren auch die Gründe, weshalb der FC Nürnberg ihn trotz positivem Probetraining nicht unter Vertrag nahm.

Trotzdem sei das Unterfangen positiv zu bewerten, findet unter anderem NLZ-Direktor Christoph Rohmer, der auch für die Internationalisierung verantwortlich ist. Solche Kooperationen könnten in Zukunft natürlich dafür sorgen, dass der HSV perspektivisch auch in Südamerika interessante Talente findet. Der Fokus im Nachwuchsbereich aktuell vor allem in Hamburg, Norddeutschland und dem Norden Europas.
Für eine Wiederholung der Reise sprach sich auch Nachwuchstrainer Krause aus. Es sei wichtig, kreative Visionen für das Scouting zu entwickeln, führte er aus: „In Südamerika gibt es viele Talente. Für einen Klub wie den HSV ist es interessant, auf diesem Weg etwas zu suchen, was in Europa nicht so einfach zu finden ist.“
Verpflichtungen nicht das Primärziel
Bei seiner einwöchigen Kolumbien-Reise im März habe ihn das Interesse der Menschen beeindruckt: „Es war überall zu spüren, dass der HSV in Kolumbien sehr bekannt und präsent ist. Das hat uns überrascht.“ Wer weiß, wie viele Mitglieder der HSV weltweit in ganz verschiedenen Nationen hat, den überrascht das vermutlich eher weniger.
Das Ziel dieser neuen Transferstrategie ist aber nicht vorrangig, Talente direkt nach Hamburg zu holen, sondern auch, sich Wissen anzueignen.
Trotzdem wäre es natürlich mehr als interessant, wenn am Ende dieses neuen Scouting-Weges ein Shootingstar aus Kolumbien seinen Weg direkt an die Elbe findet.









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