Louis Lemke gehörte zu den Gewinnern der Vorbereitung und bot in den ersten Pflichtspielen ansprechende Leistungen. Trotzdem spielte er zuletzt keine Rolle mehr.
Am Mittwoch lief das Hamburger Supertalent zur Mittagszeit für die U21 auf, die das Regionalliga-Derby gegen die Zweitvertretung des FC St. Pauli sang- und klanglos mit 0:3 verlor. Lemke kam vor 540 Zuschauenden im Stadion Hoheluft über 76 Minuten zum Einsatz. Noch vor zweieinhalb Wochen gehörte er beim Gastspiel der Profis in Dortmund, wo das größten Stadion Deutschlands steht, der Startelf an und gab über 81.000 Fans eine passable Figur ab.
Sky-Experte Lothar Matthäus fand anschließend lobende Worte: „Er ist keiner, der hinten gewartet hat, sondern er ist einer, der Mut hat. Das wird belohnt, darum durfte er auch so lange spielen.“ Auch Trainer Merlin Polzin zeigte sich mit der Bundesliga-Premiere des erst 16-jährigen Außenverteidigers einverstanden: „Er war sehr energiegeladen, hat trotz der Aufregung, die bei ihm extrem hoch war, alles reingeworfen. Darauf kann man aufbauen.“

Nach Ankunft von Møller Wolfe: Lemke muss Stammplatz räumen
Der Trainer hatte Lemke in der Vorbereitung stark gefördert und auch immer wieder öffentlich gelobt. Das Eigengewächs erhielt seine Chance, da Miro Muheim aufgrund seiner WM-Teilnahme verspätet einstieg. Lemke hinterließ nicht nur fußballerisch einen guten Eindruck, sondern wusste auch die körperlichen Nachteile durch seine hohe Spielintelligenz und geschickte Bewegungen zu kaschieren.
Die Nominierung für die Startelf beim Pokalspiel in Verl war die logische Folge. Sein HSV-Pflichtspieldebüt krönte der deutsche Junioren-Nationalspieler mit dem Treffer zum 3:0-Endstand. Nachdem er sich auch beim ersten großen Härtetest in Dortmund wacker schlug, schien ihm trotz der sich anbahnenden Muheim-Rückkehr sowie der späten Verpflichtung von David Møller Wolfe reichlich Spielzeit zu winken.
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Doch schon am zweiten Spieltag musste der Linksfuß seinen Platz für den zuvor nur wenige Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolvierenden Møller Wolfe räumen. Er verbrachte lediglich die Schlussminuten des Mainz-Debakels (0:5) auf dem Spielfeld, ehe es gegen Leipzig nicht einmal für einen Kurzeinsatz reichte.
Lemke passt eigentlich perfekt zum Hamburger Weg
Spielpraxis erhielt Lemke stattdessen auf Viertliga-Niveau, was jedoch nicht dem vom HSV propagierten Weg, vermehrt selbst entwickelte Talente in der Profimannschaft integrieren zu wollen, entspricht. Erst nach dem Verl-Spiel betonte Polzin: „Louis steht für den Weg, den wir auch in Hamburg gehen wollen. Die Jungs bekommen, wenn sie ihre Leistung zeigen, dann auch die Möglichkeit, sich anzubieten. Unser Nachwuchsleistungszentrum leistet hervorragende Arbeit.“
Lemke nutzte seine Möglichkeit und ist dennoch aktuell außen vor. Seine Einsatzchancen könnten sich sogar nochmals verringern, da neben Møller Wolfe auch die langjährige Stammkraft Muheim bald wieder zur Verfügung steht. So stellt sich Frage, inwieweit der HSV seinen Ansatz zielstrebig verfolgt. Oder ob Talente – wie in früheren Jahren, als sie regelmäßig vernachlässigt wurden – nur zum Zug kommen, wenn der Kader keine anderen Optionen bereithält.

Die Personalie Lemke dürfte Antworten liefern. Denn angesichts seiner hervorragenden Anlagen gilt sein Weg in die Bundesliga als vorgezeichnet. Falls der Schritt beim HSV nicht gelingen sollte, wird zweifellos ein anderer Verein zugreifen. Denn der nur bis 2028 gebundene Lemke wies bekanntermaßen bereits nach, auf höchstem nationalen Level bestehen zu können.









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