Der Zusammenbruch von Vincent Kompany beschäftigt den deutschen Fußball weiterhin. Während der Cheftrainer des FC Bayern im Krankenhaus behandelt wird, wächst die Diskussion über die enorme Belastung im Trainerberuf. Nun hat sich auch Matthias Sammer zu Wort gemeldet. Der frühere Bayern-Sportvorstand kritisiert vor allem den Umgang der Öffentlichkeit mit Trainern und findet dabei ungewöhnlich deutliche Worte.
Kompany war am vergangenen Freitag nach dem Training der Profis zusammengebrochen, als er eine Einheit der zweiten Mannschaft beobachtete. Seitdem befindet sich der 40-Jährige in medizinischer Betreuung. Der FC Bayern hat bereits angekündigt, seinem Trainer sämtliche Zeit für die Genesung einzuräumen.
Zahlreiche ehemalige Spieler, Trainer und Experten hatten dem Belgier zuletzt ihre Genesungswünsche übermittelt. Sammer sieht die öffentliche Debatte allerdings kritisch. Ihn stört vor allem, dass die Belastungen von Trainern häufig erst dann ernst genommen werden, wenn etwas passiert.
„Diese Anteilnahme ekelt mich ein Stück weit an“
In der Sendung „Sammer & Basile – der Hagedorn-Talk“ bei Sky äußerte sich der 59-Jährige mit deutlichen Worten. „Unsere Trainer sind auch nur Menschen. Und mein Gedanke war: Jetzt passiert eine Anteilnahme, die ekelt mich ein Stück weit an“, erklärte Sammer.
Dabei ging es dem Europameister von 1996 nicht darum, Kompany die Anteilnahme abzusprechen. Vielmehr kritisierte er die unterschiedlichen Maßstäbe im Umgang mit Erkrankungen. „Wie viele Menschen da draußen erleben aktuell vielleicht Ähnliches mit einem Virus, mit einem Zusammenbruch, mit Krankheit, in der Hoffnung, dass das alles nichts Schlimmes ist. Aber wir gehen davon aus, der Trainer von Bayern München hat gefälligst immer gesund zu sein“, gab Sammer zu bedenken.
Der ehemalige Bayern-Verantwortliche fordert deshalb ein grundsätzliches Umdenken. „Wir arbeiten uns viel zu sehr an Trainern ab und sind dann plötzlich echauffiert, dass da mal einer umkippen kann, dass es dem nicht so gut geht.“
Sammer fordert besseren Schutz für Kompany

Besonders die Verantwortung und die oftmals unterschätzte Einsamkeit von Trainern bereiten Sammer Sorgen.
Der 59-Jährige sieht deshalb auch die Vereine in der Pflicht, ihre Trainer besser vor Überlastung zu schützen. „Ist aber auch ein Punkt, intern zu sagen, den Trainer in einer Konstellation, wie wir sie gerade haben, besser zu schützen“, betonte er.
Beim FC Bayern steht derzeit ohnehin die vollständige Genesung Kompanys im Mittelpunkt. Eine schnelle Rückkehr an die Seitenlinie ist nicht vorgesehen.
Co-Trainer Aaron Danks, der den Belgier vorerst vertritt, gab zu Wochenbeginn ein vorsichtig positives Gesundheitsupdate. „Er ist in guter Stimmung. Es sieht so aus, dass es jeden Tag besser wird“, erklärte der Engländer nach einem Besuch im Krankenhaus.
Konkrete Aussagen über den Zeitpunkt einer Rückkehr seien allerdings weiterhin nicht möglich. Es gebe nach wie vor „keine großen Prognosen“. „Er ist sehr ruhig und bekommt alle Zeit, sich zu erholen“, ergänzte Danks.
Der 43-Jährige wird die Münchner deshalb auch am Mittwoch im DFB-Pokal gegen den 1. FC Magdeburg betreuen.
Für Sammer ist klar: Der Fall Kompany sollte Anlass sein, den Umgang mit Trainern grundsätzlich zu hinterfragen – und nicht erst dann Rücksicht zu nehmen, wenn gesundheitliche Probleme auftreten.









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