Der FC Bayern geht mit großen Ambitionen in die neue Saison. National ist der deutsche Rekordmeister erneut der klare Favorit, international soll nach dem Halbfinal-Aus in der vergangenen Spielzeit der nächste Schritt folgen. Doch reicht der aktuelle Kader für den Angriff auf die Champions League? Im zweiten Teil des FCBinside-Kaderchecks steht die Defensive im Mittelpunkt.
Nachdem wir uns im ersten Teil des Kaderchecks mit dem Duell zwischen Manuel Neuer und Jonas Urbig beschäftigt haben, geht der Blick eine Reihe weiter nach vorne.
In der Abwehr hat sich beim FC Bayern personell auf den ersten Blick nicht besonders viel verändert. Mit Nathaniel Brown ist allerdings ein Spieler hinzugekommen, der die Hierarchie auf den Außenverteidigerpositionen durchaus verändern könnte.
Die Münchner überwiesen rund 50 Millionen Euro an Eintracht Frankfurt. Eine stolze Summe, die bereits verdeutlicht: Brown wurde nicht als einfacher Ergänzungsspieler verpflichtet.
Brown ist mehr als nur ein Davies-Backup
Im Kader übernimmt der 23-Jährige grundsätzlich die Planstelle von Raphaël Guerreiro, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied. Während Guerreiro zwar als Linksverteidiger eingesetzt werden konnte, lagen seine größten Stärken im Mittelfeld und in eingerückten Positionen.
Brown ist dagegen ein gelernter Linksverteidiger und damit ein direkter Konkurrent für Alphonso Davies.
Bei Eintracht Frankfurt gelang ihm in der vergangenen Saison der endgültige Durchbruch. Seine Leistungen brachten ihm schließlich auch einen Platz im deutschen WM-Kader ein. Vor allem seine Dynamik und seine offensiven Qualitäten passen grundsätzlich hervorragend zu Vincent Kompanys Spielidee.
Sportvorstand Max Eberl zeigte sich bereits von der Mentalität des Neuzugangs angetan: „Er ist ein besonderer Spieler, weil er mit dem Druck umgehen kann. Das brauchst du auch bei Bayern, das hat uns sehr gut gefallen.“
Gerade angesichts der Verletzungsprobleme von Davies in den vergangenen Jahren war eine zusätzliche hochwertige Option auf der linken Seite notwendig. Sollte der Kanadier fit sein und an seine besten Leistungen anknüpfen, bleibt er zunächst der Favorit auf einen Stammplatz. Eberl stellte zuletzt unmissverständlich klar: „Bei Alphonso Davies kann ich einen Wechsel ausschließen.“
Anders als in den vergangenen Jahren müssen die Bayern bei einem Ausfall ihres Linksverteidigers nun allerdings nicht mehr improvisieren.
Stanisic kämpft mit Laimer um seinen Platz

Davon betroffen ist vor allem Josip Stanisic. Der Kroate musste in der vergangenen Saison immer wieder auf der linken Seite aushelfen. Mit Brown steht dort jetzt eine zusätzliche Speziallösung bereit, wodurch sich Stanisic wieder verstärkt auf die rechte Abwehrseite konzentrieren kann.
Dort wartet allerdings Konrad Laimer.
Der Österreicher hat sich unter Kompany auf der rechten Seite festgespielt und mit seinen aggressiven Vorstößen sowie seiner enormen Laufstärke überzeugt. Stanisic bringt dafür mehr defensive Stabilität und taktische Flexibilität mit. Kompany kann somit abhängig vom Gegner zwischen zwei unterschiedlichen Profilen wählen.
Für Sacha Boey wird es dagegen eng. Der Franzose spielt trotz ordentlicher Leistungen während der Vorbereitung weiterhin keine Rolle in den langfristigen Planungen und soll den Verein bei einem passenden Angebot verlassen.
Im Abwehrzentrum gibt es derweil kaum Veränderungen. Dayot Upamecano und Jonathan Tah bilden weiterhin das favorisierte Duo. Dahinter stehen Minjae Kim und Hiroki Ito als Alternativen zur Verfügung.
Insbesondere Kim wurde zuletzt erneut mit einem Wechsel in Verbindung gebracht. Aston Villa und Nottingham Forest sollen Interesse gezeigt haben, der Südkoreaner selbst möchte allerdings in München bleiben.
Auch bei einem späten Verkauf von Kim oder Ito müssten die Bayern nicht zwangsläufig noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden. Stanisic kann im Notfall problemlos in die Innenverteidigung rücken und verschafft Kompany dadurch zusätzliche Flexibilität.
Bayern hat sein größtes Abwehrproblem gelöst
Die Verpflichtung von Brown macht die Defensive der Bayern insgesamt stärker. Entscheidend ist dabei weniger, dass der Nationalspieler sofort Davies verdrängen muss. Vielmehr haben die Münchner erstmals seit längerer Zeit zwei gelernte Linksverteidiger auf hohem Niveau im Kader. Gerade angesichts der hohen Belastung und Davies‘ Verletzungshistorie könnte das im Saisonverlauf enorm wichtig werden.
Auch auf der rechten Seite besteht mit Laimer und Stanisic ein echter Konkurrenzkampf. Im Zentrum verfügen die Bayern mit Tah, Upamecano, Kim und Ito über vier etablierte Innenverteidiger.
Damit ist die Defensive sowohl qualitativ als auch quantitativ gut genug aufgestellt, um auf höchstem Niveau zu bestehen.
Die spannendste Frage betrifft deshalb weniger die Qualität als die Hierarchie. Brown wurde für viel Geld verpflichtet und wird sich auf Dauer kaum mit einer klassischen Backup-Rolle zufriedengeben. Davies wiederum gehört fit zu den besten Linksverteidigern Europas.
Genau dieser Konkurrenzkampf könnte sich für Kompany als Luxusproblem erweisen. Im Kampf um den letzten Schritt in der Champions League ist das allerdings ein Problem, das der Bayern-Trainer gerne haben dürfte.












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