Borussia Dortmund hat bei FK Bodö/Glimt einen bitteren Rückschlag erlebt. Die 0:1-Niederlage in der Champions League wirft Fragen auf – auch mit Blick auf die Vorbereitung der Mannschaft von Niko Kovac. Doch der BVB ist nicht der erste Topklub, der sich gegen einen norwegischen Gegner schwertut. Die jüngsten Ergebnisse zeigen, dass der Fußball aus dem hohen Norden an Qualität gewonnen hat. Der Erfolg von Bodö/Glimt ist längst kein Zufall mehr.
Die Dortmunder mussten am Polarkreis erfahren, wie unangenehm der norwegische Vizemeister zu bespielen ist. Auf dem Kunstrasen entwickelte Bodö/Glimt viel Tempo und setzte die Borussia immer wieder unter Druck. Am Ende reichte Fredrik Sjövolds Treffer zum 1:0-Erfolg.
Dabei ist der norwegische Klub längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Bereits in der vergangenen Champions-League-Saison sorgte Bodö/Glimt für Aufsehen und schaffte es bis ins Achtelfinale.
Auf dem Weg dorthin gelangen unter anderem Erfolge gegen Manchester City, Atlético Madrid und Inter Mailand. Auch gegen den BVB hatten die Norweger bereits damals ein Ausrufezeichen gesetzt und erkämpften sich in Dortmund ein 2:2.
Für den BVB war die Niederlage deshalb zwar ein Rückschlag, aber keineswegs ein völlig unerwartetes Szenario. Bodø/Glimt hat sich international einen Namen gemacht und kann auch deutlich höher eingeschätzte Mannschaften in Schwierigkeiten bringen.
Norwegens Fußball fordert die Großen heraus
Dass die Dortmunder Probleme mit einem norwegischen Gegner bekamen, passt zu einer Entwicklung, die sich auch andernorts zeigt. Viking Stavanger trotzte dem FC Bayern einen Tag zuvor mit einem 3:3 ein Remis ab. Die Norweger überzeugten dabei mit gut ausgespielten Umschaltsituationen und gefährlichen Standards.
Finanziell liegen die Klubs weit hinter ihren deutschen Kontrahenten. Laut transfermarkt kommt Bodö/Glimt auf rund 80 Millionen Euro, Viking Stavanger auf etwa 56 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Kader von Borussia Dortmund ist knapp 600 Millionen Euro wert. Trotzdem gelingt es den norwegischen Teams zunehmend, diese Unterschiede auf dem Platz auszugleichen.
Nachwuchs und klare Spielidee als Erfolgsfaktoren
Ein wichtiger Baustein ist die Nachwuchsförderung. Norwegen hat rund 5,6 Millionen Einwohner, setzt im Fußball aber auf eine breite Basis und möglichst niedrigschwellige Angebote für Kinder und Jugendliche. Die Freude am Sport steht zunächst im Vordergrund. Zugleich haben die Spitzenklubs ihre Ausbildung in den vergangenen Jahren gezielt weiterentwickelt.
Weil teure Transfers für Vereine wie Bodö/Glimt kaum finanzierbar sind, kommt ein großer Teil der Spieler aus dem eigenen Land. Das zeigt sich auch im Kader: 25 der 26 Spieler von Bodö/Glimt stammen aus Norwegen. Viking Stavanger setzte gegen Bayern ebenfalls auf zahlreiche einheimische Akteure.
Hinzu kommt eine klare sportliche Ausrichtung. Die norwegischen Mannschaften treten mutig auf, arbeiten intensiv gegen den Ball und nutzen ihre Stärken im Umschaltspiel. Gerade für Teams wie Dortmund, die selbst den Anspruch haben, das Spiel zu kontrollieren, kann das unangenehm werden.
Kunstrasen wird zum Faktor für den BVB
Eine Besonderheit am Polarkreis ist der Kunstrasen. In Norwegen wurde seit den 2000er-Jahren massiv in entsprechende Plätze investiert, damit auch bei schwierigen Wetterbedingungen ganzjährig trainiert und gespielt werden kann. Für Bodö/Glimt ist der Untergrund vertraut, während Gäste ihre Abläufe anpassen müssen.

Auch Kovac ließ den BVB vor der Partie auf Kunstrasen trainieren, um die Mannschaft auf die Bedingungen vorzubereiten. Das allein reichte jedoch nicht aus. Dortmund fand über weite Strecken zu wenig Zugriff und konnte seine individuelle Überlegenheit nicht entscheidend ausspielen.
Die Niederlage sollte deshalb aber nicht ausschließlich mit dem ungewohnten Untergrund erklärt werden. Bodö/Glimt bringt sportliche Qualität, eine eingespielte Mannschaft und internationale Erfahrung mit.
Für den BVB ist das Ergebnis eine Warnung: Wer in der Champions League bestehen will, darf vermeintlich kleinere Gegner nicht unterschätzen. Der Aufschwung des norwegischen Fußballs zeigt, dass die Unterschiede zu Europas Topklubs auf dem Platz längst nicht immer so groß sind wie auf dem Papier.










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