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Neuer-Debatte beim FC Bayern: „Wer traut sich, ihm die Wahrheit zu sagen?“
FCBinsideFCBinside·VonVjekoslav Keskic

Neuer-Debatte beim FC Bayern: „Wer traut sich, ihm die Wahrheit zu sagen?“

Die Diskussionen um Manuel Neuer reißen beim FC Bayern nicht ab. Nach seinen Fehlern beim 2:2 gegen den FC Augsburg steht der 40-Jährige erneut in der Kritik. Nun hat sich mit Mirko Slomka ausgerechnet jener Trainer zu Wort gemeldet, der Neuer einst beim FC Schalke 04 zum Bundesliga-Debüt verhalf. Der 59-Jährige stellt dabei eine unbequeme Frage an die Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters.

Während Sportvorstand Max Eberl zuletzt noch einmal ausdrücklich betonte, dass Neuer die unumstrittene Nummer eins der Münchner bleibt, sieht Slomka die Situation etwas differenzierter.

In seiner Instagram-Kolumne „Der zweite Blick“ beschäftigte sich der ehemalige Bundesliga-Trainer mit der Frage, wann große Sportler den richtigen Zeitpunkt für ihr Karriereende erkennen.

Dabei bezeichnete er Neuer als „Kannibalen“ – allerdings keineswegs als Kritik, sondern als Anerkennung für dessen außergewöhnlichen Ehrgeiz und Siegeswillen.

„Eine große Karriere darf kein Freifahrtschein sein“

Slomka kennt Neuer seit dessen Anfängen im Profifußball. Im August 2006 ermöglichte er dem damals 20-Jährigen sein Bundesliga-Debüt auf Schalke und machte ihn anschließend zur neuen Nummer eins.

20 Jahre später verfolgt der ehemalige Trainer die Diskussionen um seinen früheren Schützling aufmerksam. „Das Schwierige ist: Genau die Eigenschaft, die solche Sportler groß macht, kann ihnen das Aufhören so schwer machen“, erklärte Slomka.

Manuel Neuer
Foto: IMAGO

Aus seiner Sicht fällt es außergewöhnlichen Athleten besonders schwer, das Ende ihrer Karriere zu akzeptieren. „Solche Champions haben gelernt, Zweifel zu besiegen. Kritiker zu widerlegen. Grenzen zu verschieben. Warum sollten sie ausgerechnet jetzt glauben, dass eine Grenze endgültig ist? Wo andere ein Warnsignal sehen, sehen sie die nächste Herausforderung.“

Die jüngsten Fehler des Bayern-Kapitäns seien für sich genommen allerdings noch kein Grund, über einen sofortigen Abschied nachzudenken.

„Wir sehen seine Fehler in Augsburg, und sofort steht die Frage im Raum: Hat Manuel Neuer seinen Abpfiff verpasst? Zwei Fehler beenden keine Karriere. Aber eine große Karriere darf auch kein Freifahrtschein sein“, stellte Slomka klar.

Bayern-Bosse müssen eine schwierige Entscheidung treffen

Besonders bemerkenswert ist, dass Slomka die Verantwortung nicht allein bei Neuer sieht.

Vielmehr seien auch Trainer Vincent Kompany und die sportliche Führung gefordert, die Leistungen des Torhüters unabhängig von dessen Verdiensten zu bewerten.

„Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wer ist stark genug, einem so großen Gewinner rechtzeitig zu sagen, wann Schluss ist?“, fragte der 59-Jährige.

Für Slomka geht es dabei vor allem um eine ehrliche sportliche Einschätzung.

„Sie müssen ehrlich beurteilen: Was leistet Manuel heute? Was braucht die Mannschaft? Und sie müssen ihm ihre Antwort zumuten.“

Damit spricht der ehemalige Schalke-Coach ein Thema an, das die Münchner spätestens mit Blick auf die kommende Saison beschäftigen dürfte.

Neuers Vertrag läuft im Sommer 2027 aus. Ob der Weltmeister von 2014 seine Karriere anschließend fortsetzen wird, ist weiterhin offen.

Urbig steht als möglicher Nachfolger bereit

Jonas Urbig
Foto: IMAGO

Mit Jonas Urbig haben die Bayern bereits einen potenziellen Nachfolger verpflichtet. Der 23-Jährige soll langfristig in die Fußstapfen von Neuer treten und erhält immer wieder Gelegenheiten, sich auf höchstem Niveau zu beweisen.

Beim Champions-League-Spiel gegen Viking Stavanger wird Urbig den angeschlagenen Routinier vertreten.

An der aktuellen Hierarchie ändert das allerdings nichts. Eberl hatte zuletzt unmissverständlich erklärt: „Manuel Neuer ist unsere Nummer eins und wird es auch bleiben.“

Neuer selbst hatte nach dem Supercup-Sieg gegen Borussia Dortmund bereits angedeutet, dass er sich mit seinem möglichen Karriereende beschäftigt.

Auf die Frage, ob es sein letztes Supercup-Interview gewesen sein könnte, antwortete der Bayern-Kapitän bei SAT.1: „Kann sein, kann sein.“

Eine Entscheidung über seine Zukunft steht noch aus.

Slomka fordert deshalb auch keinen sofortigen Torwartwechsel. Seine Botschaft ist vielmehr, dass die Verantwortlichen des FC Bayern bei aller Wertschätzung für Neuers außergewöhnliche Karriere den richtigen Zeitpunkt für einen Generationswechsel nicht verpassen dürfen.

Quelle: FCBinsideZum Original

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