Zwei gleichberechtigte Cheftrainer an der Seitenlinie? Was beim FC Bayern kaum vorstellbar erscheint, gehört beim kommenden Champions-League-Gegner Viking Stavanger längst zum Alltag. Die Norweger setzen seit mehreren Jahren auf eine Doppelspitze. Vor dem direkten Duell wurde deshalb auch Vincent Kompany gefragt, ob er sich ein solches Modell beim deutschen Rekordmeister vorstellen könnte.
Die Antwort des Bayern-Trainers fiel durchaus überraschend aus. Denn Kompany hat bereits selbst Erfahrungen mit einer vergleichbaren Konstellation gesammelt und sieht darin durchaus Vorteile.
Sportvorstand Max Eberl zeigte sich von der Idee für den FC Bayern dagegen weniger begeistert.
Kompany kennt das Modell aus seiner Zeit in Anderlecht
Bei Viking Stavanger teilen sich Bjarte Lunde Aarsheim und Morten Jensen seit Januar 2021 die Verantwortung als gleichberechtigte Cheftrainer. Zuvor hatten beide bereits als Assistenten beim norwegischen Klub gearbeitet.
Eine ungewöhnliche Konstellation, die offenbar bestens funktioniert.
Auch Bayern-Coach Vincent Kompany kennt eine ähnliche Zusammenarbeit aus seiner Zeit beim RSC Anderlecht. „In Anderlecht habe ich das genau so erlebt. Wir haben uns ein Büro geteilt, die Videos geschaut, Ideen ausgetauscht. Und gleichzeitig habe ich sogar noch gespielt – ich weiß, was das verlangt“, erinnerte sich der Belgier vor dem Champions-League-Spiel in Norwegen.
Kompany war 2019 zunächst als Spielertrainer nach Anderlecht zurückgekehrt, ehe er sich später vollständig auf seine Tätigkeit an der Seitenlinie konzentrierte.
Für den 40-Jährigen hängt der Erfolg eines solchen Modells vor allem davon ab, wie gut die beteiligten Trainer zusammenarbeiten. „Das ist manchmal gar nicht anders, wenn man gut zusammenarbeitet mit dem Trainerstab, dann ist das gar nicht so anders als diese Zusammenarbeit“, erklärte Kompany.
Entscheidend seien gegenseitiges Vertrauen und eine klare Verteilung der Aufgaben.
„Man muss viel in diese Beziehungen investieren – aber es ist absolut gut möglich“, betonte der Bayern-Coach.
Eberl erteilt Trainer-Doppelspitze beim FC Bayern eine Absage

Auch Max Eberl zeigte sich beeindruckt davon, wie erfolgreich Viking Stavanger mit seiner ungewöhnlichen Trainerstruktur arbeitet. „Es scheint zu funktionieren, sonst hätten sie sich nicht qualifiziert für die Champions League“, erklärte der Sportvorstand.
Der 53-Jährige verwies dabei auch auf die sportliche Entwicklung des norwegischen Klubs. „Sie sind gerade punktgleich und torgleich mit Bodø/Glimt an der ersten Stelle. Es geht wieder um die Meisterschaft, also ihr Konstrukt scheint zu funktionieren.“
Für den FC Bayern kommt ein vergleichbares Modell derzeit allerdings nicht infrage.
Auf die Frage, ob sich die Münchner ebenfalls zwei gleichberechtigte Cheftrainer vorstellen könnten, antwortete Eberl mit einem Lächeln: „Eher nein.“
Damit machte der Bayern-Boss deutlich, dass er trotz der positiven Erfahrungen des Gegners keinen Anlass sieht, die aktuelle Trainerstruktur in München grundsätzlich zu verändern.
Bayern trifft auf ungewöhnlichen Champions-League-Gegner
Sportlich wollen die Münchner am Dienstagabend ohnehin beweisen, dass ihre bestehende Konstellation bestens funktioniert.
Nach dem 5:0-Erfolg gegen Bodø/Glimt zum Auftakt der Champions-League-Ligaphase möchte der deutsche Rekordmeister auch sein zweites Spiel gewinnen.
Viking Stavanger musste sich zum Start dagegen dem VfB Stuttgart mit 1:3 geschlagen geben.
Dennoch rechnen sich die Norweger vor heimischer Kulisse Chancen aus. Besonders der Kunstrasen und die Unterstützung der eigenen Fans sollen dabei helfen, den großen Favoriten aus München zu ärgern.
„Viking hat in der Vergangenheit große Spiele gegen Barcelona und Chelsea bestritten, aber das Spiel ist noch größer. Wir wollen die Herausforderung genießen“, erklärte Cheftrainer Aarsheim.
Während sich Viking also mit seiner Doppelspitze auf einen der größten Abende der Vereinsgeschichte vorbereitet, bleibt beim FC Bayern alles beim Alten: Vincent Kompany ist und bleibt der alleinige Cheftrainer.









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