Harry Kane hat sich im Rennen um den Ballon d’Or bewusst gegen offensiven Wahlkampf in eigener Sache entschieden. Der Bayern-Star erklärte zuletzt, dass es schlicht nicht seiner Persönlichkeit entspreche, sich öffentlich selbst als besten Spieler der Welt zu präsentieren. Aussagen von Pascal Ferré zeigen nun, dass diese Zurückhaltung zumindest kein Nachteil sein muss.
Ferré weiß, wie die Wahl funktioniert. Der ehemalige Chefredakteur von France Football war lange für die Organisation des Ballon d’Or verantwortlich. Im Gespräch mit Le Parisien machte er deutlich, dass eine aggressive öffentliche Kampagne sogar nach hinten losgehen kann.
„Die Wähler sind nicht naiv. Sie verfügen sowohl über die Erfahrung als auch über das Urteilsvermögen, die nötig sind, um einen Spieler einzuschätzen und zu bewerten, ohne zehn- oder fünfzehnmal hören zu müssen, dass er der Beste ist.“
Kann zu viel Ballon-d’Or-Wahlkampf sogar schaden?
Vor der diesjährigen Vergabe wird auffällig viel über die öffentliche Selbstdarstellung der Kandidaten diskutiert. Kane hatte zuletzt erklärt, dass jeder Spieler selbst entscheiden müsse, wie offensiv er seine Ambitionen kommuniziert.
Der Engländer möchte diesen Weg jedoch nicht gehen. Zwar bezeichnete er sich selbst als „definitiv im Rennen um den Titel“, gleichzeitig betonte er aber, dass ihn Lob von Mitspielern, ehemaligen Profis und anderen Personen stolzer mache, als selbst permanent über die eigenen Leistungen zu sprechen.
Ferré zufolge könnte zu viel Eigenwerbung bei den stimmberechtigten Journalisten sogar für Irritationen sorgen.
„Wenn ich sage, dass man den Ballon d’Or auf der Kommunikationsebene verlieren kann, meine ich damit, dass ein Spieler auf unangenehme Weise im Rampenlicht steht und den Wählern den Eindruck vermittelt, sie würden zu einer Entscheidung gedrängt.“
Ferré warnt vor „Manipulation“

Besonders kritisch wird es aus Sicht des ehemaligen France-Football-Chefs, wenn aus einer normalen Kampagne der Eindruck eines gezielten Beeinflussungsversuchs entsteht.
„Diese Art von Aufhebens, das manche Leute inszenieren, kann die Wähler irgendwann irritieren. Denn dann wird die Manipulation ziemlich offensichtlich.“
Ferré bezog seine Aussagen dabei nicht konkret auf Kane oder einen bestimmten Konkurrenten. Seine Einschätzung passt allerdings zu jüngsten Berichten über die diesjährige Abstimmung. Mehrere Ballon-d’Or-Juroren hatten gegenüber RMC Sport erklärt, dass sie sich weder von Social-Media-Kampagnen noch von Kontaktversuchen aus dem Umfeld nominierter Spieler beeinflussen lassen wollen.
Für Kane bedeutet das keineswegs automatisch einen Vorteil bei der Wahl. Es zeigt jedoch, dass seine zurückhaltende Strategie nicht zwangsläufig gegen ihn spricht.
Der Bayern-Torjäger hatte seine Haltung zuletzt klar formuliert: Seine Leistungen sollen für ihn sprechen. Wenn andere anschließend zu dem Schluss kommen, dass diese für den Ballon d’Or reichen, wäre ihm das lieber als eine groß angelegte Kampagne in eigener Sache.









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