Jürgen Klopp hat seine erste Länderspielphase als Bundestrainer genutzt, um die deutsche Nationalmannschaft kräftig durchzumischen. Insgesamt 44 Spieler bekamen in den vergangenen beiden Wochen die Gelegenheit, sich dem neuen DFB-Coach zu präsentieren.
Nach vier Nations-League-Partien fällt die Bilanz durchwachsen aus. Auf das 1:1 gegen die Niederlande und die 0:1-Niederlage gegen Griechenland folgte mit einem nahezu komplett ausgetauschten Kader ein überzeugendes 2:0 gegen Serbien. Zum Abschluss kam Deutschland in Thessaloniki nicht über ein 0:0 gegen Griechenland hinaus.
Im November wird der Kreis deutlich kleiner. Klopp möchte dann nur noch 23 oder 24 Spieler nominieren. Gerade für die zahlreichen Bayern-Profis beginnt damit der Kampf um die Plätze. Einige haben ihre Ausgangsposition erheblich verbessert, für andere ist die Konkurrenz größer geworden.
Bischof, Pavlovic und Urbig gehören zu den Gewinnern
Der größte Bayern-Gewinner dürfte Tom Bischof sein. Der 21-Jährige stand sowohl gegen Serbien als auch in Griechenland in der Startelf und überzeugte in beiden Partien.
Vor allem beim 2:0 gegen Serbien hinterließ Bischof einen starken Eindruck. Laufstark, aggressiv gegen den Ball und gleichzeitig mutig im Spielaufbau präsentierte er genau jene Qualitäten, die Klopp von seinen Mittelfeldspielern verlangt. Mit seinem Treffer zum 1:0 krönte Bischof seinen Auftritt und erzielte zugleich sein erstes Tor für die A-Nationalmannschaft.
Auch beim 0:0 in Thessaloniki bestätigte er seinen positiven Eindruck. Vor der Länderspielphase ging es für Bischof vor allem darum, Argumente für weitere Nominierungen zu sammeln. Nach seinen beiden Auftritten hat er sich zu einer ernsthaften Option für das zentrale Mittelfeld entwickelt.

Ähnliches gilt für Aleksandar Pavlovic. Der Bayern-Profi übernahm im zweiten DFB-Kader viel Verantwortung und überzeugte als Taktgeber vor der Abwehr. Besonders im Zusammenspiel mit Bischof funktionierte das Zentrum gegen Serbien hervorragend.
Pavlovic bringt ein Profil mit, das hervorragend zu Klopps 4-3-3 passt: Er ist unter Druck ballsicher, kann das Spiel aus der Tiefe aufbauen und sorgt gleichzeitig für die nötige Absicherung hinter offensiveren Mittelfeldspielern. Auch beim Remis gegen Griechenland gehörte er zu den stärkeren deutschen Akteuren.
Der dritte große Gewinner ist Jonas Urbig. Der 23-Jährige feierte gegen Serbien sein DFB-Debüt und blieb beim 2:0 direkt ohne Gegentor. Klopp gab ihm anschließend auch in Griechenland das Vertrauen.
Dort wurde Urbig deutlich stärker geprüft und war sofort zur Stelle. Bereits zu Beginn verhinderte er mit einer starken Parade gegen Giorgos Masouras den frühen Rückstand. Am Ende stand auch in seinem zweiten Länderspiel die Null. Die Torwartfrage ist damit keineswegs entschieden, seine Ausgangsposition hat Urbig aber deutlich verbessert.
Kimmich bekommt neue Konkurrenz – Musiala erlebt bitteren Lehrgang
Bei Joshua Kimmich fällt die Bewertung komplizierter aus. Der Kapitän bleibt ein zentraler Spieler und Klopp hat mehrfach deutlich gemacht, dass er weiterhin mit ihm plant. Dennoch hat sich die Ausgangslage des Bayern-Stars verändert.
Kimmich gehörte zum ersten Aufgebot, das gegen die Niederlande nicht über ein 1:1 hinauskam und anschließend mit 0:1 gegen Griechenland verlor. Gerade nach dem schwachen zweiten Auftritt kritisierte der 31-Jährige selbst die fehlende Bewegung und Kreativität im deutschen Spiel.
Danach überzeugte ausgerechnet ein Mittelfeld mit seinen Bayern-Kollegen Pavlovic und Bischof gegen Serbien. Das bedeutet keineswegs, dass Kimmich seinen Stammplatz verloren hat. Klopp kennt nun allerdings weitere Varianten, die gut zu seiner Spielidee passen.
Damit dürfte eine Frage in den kommenden Monaten besonders interessant werden: Bleibt Kimmich dauerhaft im zentralen Mittelfeld oder sieht Klopp seinen Kapitän perspektivisch wieder als Rechtsverteidiger?

Noch bitterer verlief die Länderspielphase für Jamal Musiala. Der 23-Jährige konnte überhaupt keine sportlichen Argumente sammeln. Klopp wollte ihn gegen die Niederlande von Beginn an einsetzen, doch beim Aufwärmen zog sich der Bayern-Star einen Muskelfaserriss zu.
Für Musiala endete der erste Lehrgang unter Klopp damit, bevor er richtig begonnen hatte. Statt sich beim neuen Bundestrainer zu präsentieren, muss der Offensivspieler jetzt erneut eine Verletzungspause verkraften und sich anschließend zunächst beim FC Bayern zurückkämpfen.
Aus Münchner Sicht hat Klopps XXL-Casting damit vor allem eines gezeigt: Der Konkurrenzkampf im DFB-Team wird größer. Besonders Bischof, Pavlovic und Urbig haben ihre Chancen genutzt – und könnten bereits im November erneut eine wichtige Rolle spielen.










Kommentare