Der FC Bayern holt gegen Arsenal ein 2:2-Unentschieden. Der Abend liefert einige Erkenntnisse – und womöglich die Lösung für ein Kaderproblem.
Der FC Bayern musste sich im Champions-League-Kracher gegen den FC Arsenal mit einem 2:2 begnügen. Harry Kane und Alphonso Davies drehten die zwischenzeitliche Führung der Gäste, ehe Arsenal in der Schlussphase noch zum Ausgleich kam.
Trotz des verpassten Sieges lieferte das Duell mit einem der stärksten Teams Europas einige interessante Erkenntnisse. Vor allem eine überraschende Personalentscheidung von Vincent Kompany könnte für die weitere Saison noch große Bedeutung bekommen.
1. Kane definiert das Spiel neu
Als der FC Bayern Harry Kane verpflichtete, sollte der Engländer vor allem die Lücke schließen, die Robert Lewandowski im Sturmzentrum hinterlassen hatte. Tore am Fließband liefert Kane längst. Inzwischen ist er aber weit mehr als ein klassischer Mittelstürmer.
Das Spiel gegen Arsenal zeigte das eindrucksvoll. Kane ließ sich phasenweise bis auf eine Linie mit den Innenverteidigern zurückfallen, tauchte im zentralen Mittelfeld auf und war trotzdem vorne wieder der entscheidende Mann.
Bundestrainer Jürgen Klopp zeigte sich bei DAZN über Kanes außergewöhnliche Rolle verwundert: „Harry Kane ist heute überall. Das finde ich mit Ball in Ordnung, aber gegen den Ball…“
Später ergänzte Klopp: „Und noch mal, ich bin nicht Papst des Fußballs, alle dürfen machen, was sie wollen, aber abschließend dahintergestiegen bin ich auch nicht.“
Mit Ball zeigte Kane dagegen, warum Kompany ihm diese Freiheiten gibt. Sein Pass vor Davies’ 1:1 war Weltklasse – ein Zuspiel aus der Tiefe, wie es selbst die besten Mittelfeldspieler nicht regelmäßig spielen. Später holte Kane den Handelfmeter selbst heraus und verwandelte ihn zum 2:1.
Gerade mit Blick auf den Ballon d’Or greift es deshalb zu kurz, Kane nur auf seine Torquote zu reduzieren. Er eröffnet Angriffe aus der Tiefe, verteilt Bälle wie ein Spielmacher, arbeitet gegen den Ball und bleibt gleichzeitig einer der gefährlichsten Torjäger der Welt.
Kane interpretiert damit längst nicht mehr nur die Mittelstürmerposition neu. Man hat momentan beinahe das Gefühl, dass er das Spiel selbst neu definiert.
2. Davies könnte plötzlich ein großes Bayern-Problem lösen
Alphonso Davies auf der linken Offensivseite war eine der größten Überraschungen der Bayern-Aufstellung. Weil Luis Diaz angeschlagen war und nicht von Beginn an spielen konnte, setzte Kompany den Kanadier eine Reihe weiter vorne ein.
Davies nutzte seine Chance. Beim 1:1 startete er nach Kanes Pass in die Tiefe, spielte seine enorme Geschwindigkeit aus und blieb vor David Raya eiskalt. Auch darüber hinaus sorgte er mit seinem Tempo immer wieder für Gefahr.
Für Bayern könnte dieser starke Auftritt noch wichtig werden. Seit Saisonbeginn wird darüber diskutiert, dass hinter Diaz eine echte Alternative für die linke Offensivseite fehlt. Zuletzt wurde sogar berichtet, dass die Münchner im kommenden Sommer viel Geld für einen weiteren Flügelspieler ausgeben könnten.
Nun könnte die Lösung bereits im eigenen Kader stehen.
Davies kam ursprünglich selbst als offensiver Flügelspieler zum FC Bayern und wurde erst in München zum Linksverteidiger umgeschult. Gegen Arsenal kehrte er gewissermaßen zu seinen Wurzeln zurück.
Dass diese Variante auch künftig funktionieren könnte, hängt mit der veränderten Kadersituation zusammen. Nathaniel Brown kann links hinten spielen, ebenso Josip Stanisic. Dadurch hätte Kompany die Möglichkeit, Davies häufiger offensiver einzusetzen.
Natürlich löst ein starkes Spiel nicht sofort alle Probleme. Doch ausgerechnet ein Spieler, den Bayern einst vom Flügel in die Abwehr versetzte, könnte nun wieder nach vorne rücken – und damit eine der größten Kaderbaustellen deutlich kleiner machen.
3. Der Stavanger-Patzer holt Bayern jetzt ein
Das 2:2 gegen Arsenal ist isoliert betrachtet kein schlechtes Ergebnis. Das eigentliche Problem liegt eine Woche zurück. Beim 3:3 bei Viking Stavanger ließ Bayern zwei Punkte liegen. Nach drei Spielen stehen die Münchner deshalb nur bei fünf Zählern.
Serge Gnabry brachte die Ausgangslage nach dem Arsenal-Spiel klar auf den Punkt: „Wir müssen bei Atlético gewinnen.“
Das ist leichter gesagt als getan. Atlético Madrid ist eine europäische Spitzenmannschaft und zeigt derzeit auch in Spanien starke Leistungen. Unter normalen Umständen wäre selbst ein Punkt auswärts in Madrid ein ordentliches Resultat. Durch den Patzer in Stavanger hat Bayern seinen Spielraum allerdings selbst verkleinert.
In den vergangenen beiden Champions-League-Spielzeiten reichten jeweils 16 Punkte für Platz acht. Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, dürfte eher Richtung 18 Punkte schielen.
Bayern fehlen damit noch mindestens elf Punkte aus den verbleibenden fünf Spielen. Nach Atlético geht es nach Lille, anschließend zuhause gegen Slavia Prag, auswärts zu Manchester United und zum Abschluss der Ligaphase gegen Real Betis.
Die Heimspiele gegen Slavia und Betis müssen eigentlich gewonnen werden. Auch in Lille sollte Bayern drei Punkte holen. Dazu braucht es Zähler in den schweren Auswärtsspielen bei Atlético und Manchester United.
Genau deshalb tut Stavanger jetzt so weh. Gegen einen Champions-League-Neuling aus Norwegen hätte Bayern die Chance gehabt, sich früh eine komfortable Ausgangslage zu verschaffen.
Sollte es am Ende nicht für die Top 8 reichen, bliebe nur der Umweg über die Playoffs. Wie unangenehm dieser sein kann, wissen die Bayern aus eigener Erfahrung: Vor zwei Jahren mussten sie gegen Celtic Glasgow in die Zwischenrunde und setzten sich zwar durch, mussten dafür aber zwei zusätzliche K.o.-Spiele absolvieren.
Der Druck in der Königsklasse ist damit deutlich größer geworden. Der Patzer von Stavanger holt die Bayern nun ein.











Kommentare